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DOP Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Sklerosiertes Angiofibrom der Orbita
R. Guthoff
Augenklinik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 97080
Würzburg
Histologie:
9/01
Patient: AB, geb. 09.08.1942
Anamnese,
klinischer Befund und Verlauf
Ein 58-jähriger
Patient türkischer Abstammung stellte sich mit einer seit einem Jahr
langsam zunehmenden Protrusio bulbi links im Oktober 2000 erstmalig bei
uns vor. Er litt unter unspezifischen Schmerzen des linken Auges. Die
übrigen Augen- und Allgemeinanamnese war unauffällig. Die Untersuchung
ergab am linken Auge einen Exophthalmus von 4 mm mit diskret vermehrter
konjunktivaler Injektion. Übrige vordere und hintere Augenabschnitte
sowie das rechte Auge waren bei einem Visus von 1,0 bds. unauffällig.
Im Ultraschall zeigte sich retrobulbär eine 10x15x9 mm große,
niedrigreflektive, homogene, gut abgrenzbare Raumforderung der linken
temporal oberen Orbita. CT und MRT ergaben eine weichteildichte, gut abgrenzbare,
randständig kontrastmittelaufnehmende Läsion ohne intraläsionale
Verkalkungen, die intrakonal zwischen M. rectus superior und M. rectus
lateralis lokalisiert war.
Im Januar 2001 erfolgte eine laterale Orbitotomie nach Krönlein mit
kompletter Tumorexzision. Der Patient ist seit 16 Monaten rezidiv- und
beschwerdefrei.
Pathologisch-anatomische
Begutachtung
Makroskopischer
Befund
1,5 x 1,2 x 1,5 cm grosser derber gut abgrenzbarer Tumor mit heller Schnittfläche
und spärlich anhängendem Weichteilgewebe.
Histopathologischer Befund
Histologisch erkennt man einen relativ gut abgrenzbaren, bindegewebigen
Prozess mit zahlreichen kleinen Gefäßen. Diese sind im Zentrum
des Tumors größtenteils obliteriert und weisen stark verdickte,
hyalinisierte Gefäßwände auf. Die Gefäße sind
in einer kollagenreichen Matrix eingebaut, die relativ fibroblastenarm
ist. Zum Rand hin finden sich teilweise intakte Gefäße, in
deren Lumina sich Erythrozyten zeigen. In diesem Breich erkennt man eine
begleitende Entzündungsreaktion mit zahlreichen eosinophilen Granulozyten,
Lymphozyten und Plasmazellen und einzelne Lymphfollikel. Weiterhin zeigen
sich randständig Fettvakuolen. Der Tumor ist von einer bindegewebigen
Pseudokapsel umgeben.
Immunhistochemie
CD34 wird von den Endothelzellen der überwiegend sklerosierten Gefäße
exprimiert. Die direkt perivaskulären Zellen zeigen eine Positivität
für Aktin. Neuronspezifische Enolase ist mäßig stark positiv.
HMB45, S100, CD30, NF, EMA, lambda, kappa und Synaptophysin werden nicht
exprimiert. Die Proliferationsfraktion gemessen an MIB1-positiven Zellen
liegt unter 5% und nur in den Keimzentren der Lymphfollikel hoch.
Diagnose:
„sklerosiertes Angiofibrom der Orbita“
Kommentar
Für diesen schwierig einzuordnenden, angiomatös-sklerosierten
Prozess kommen differenzialdiagnostisch entzündliche Veränderungen
und Weichteiltumore der Orbita in Betracht.
Die idiopathische sklerosierende Entzündung der Orbita (sklerosierender
orbitaler Pseudotumor) ist im Gegensatz zu anderen Formen des idiopathischen
Entzündungssyndroms der Orbita gekennzeichnet durch einen geringen
Anteil Entzündungszellen vs. einem hohen Anteil Bindegewebe, das
als Zeichen der Sklerose vorwiegend hyalinisiert ist und nur wenige Fibroblasten
zeigt. (1) Das hyalinisierte Gewebe ist dabei unterschiedlich stark konzentrisch-mäanderförmig
um untergegangene oder absterbende Gefäße angeordnet. Verkalkungen
sind möglich. (2) Die chronischen Entzündungszellen finden sich
meist perivaskulär. Ein weiteres Merkmal ist das Vorkommen eosinophiler
Granulozyten. (1) Rootman et al. bewerteten diese nicht-spezifische sklerosierende
Entzündung als eigene Entität. (3) Sie postulierten, dass der
Prozess der Fibrose durch die Entzündung vermittelt wird und Symptomdauer
nicht mit der Stärke der Fibrose korrelieren. (3) Möglicherweise
spielen toxische Produkte von degranulierten Eosinophilen bei der fibrotischen
Antwort eine Rolle. (4) Klinisch unterscheidet sich die idiopathische
sklerosierende Entzündung der Orbita von den anderen Formen idiopathischen
entzündlichen Formen durch einen langsameren Beginn von Schmerzen,
Exophthalmus und Schwellung. Bei ausgeprägter Symptomatik kann jedoch
ein maligner Prozess vorgetäscht werden. (5) Während Klinik
und histopathologisches Bild des vorgestellten Falles weitgehend der idiopathischen
sklerosierten Entzündung entsprechen, ist die relativ gute Abgrenzbarkeit
der Läsion im Vergleich zu den infiltrativen Pseudotumoren untypisch.
Die idiopathische sklerosierende Entzündung der Orbita ist assoziiert
mit multifokaler Fibrosklerose. (6) Manifestationen, wie zB. sklerosierende
Cholangitis, retroperitoneale und mediastinale Fibrose, lagen bei unserem
Patienten nicht vor. Histologisch ist die multifokale Fibrosklerose nicht
von der häufiger vorkommenden solitären idiopathischen sklerosierenden
Entzündung der Orbita zu unterscheiden. (6)
Erstmalig vor kurzem beschriebene Riesenzellangiofibrome der Orbita zeigen
ebenfalls häufig zahlreiche sklerosierte Gefäße, bieten
aber mit ihren spindelförmige Vimentin- und CD34-positive Stromazellen
und den namensgebenden Riesenzellen ein anderes Bild (7,8). Meningoepitheliomatöse
Prozesse wurden im vorgestellten Fall bei negativem epithelialen Membranantigen
ausgeschlossen. Weiterhin lassen die ausgeprägte Entzündungsreaktion
im Randbereich des Tumors an sklerosierende Lymphome denken. Die Lymphozyten
und Plasmazellen stellten sich immunhistochemisch jedoch polyklonal dar.
Eine exakte Einordnung des benignen Prozessen war aufgrund des histologisch
nicht eindeutigen Bildes schwierig, so daß die deskriptive Diagnose
„sklerosiertes Angiofibrom der Orbita“ gestellt wurde.
Literatur
- Mombaerts I, Goldschmeding R, Schlingemann RO, Koornneef L. What is
orbital pseudotumor? Surv Ophthalmol. 1996 Jul-Aug;41(1):66-78. Review
- Zakir R, Manners RM, Ellison D, Barker S, Crick M. Idiopathic sclerosing
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2000 Nov;84(11):1322-4
- Rootman J, McCarthy M, White V, Harris G, Kennerdell J. Idiopathic
sclerosing inflammation of the orbit. A distinct clinicopathologic entity.
Ophthalmology. 1994 Mar;101(3):570-84. Review
- Noguchi H, Kephart GM, Campbell RJ, Li JT, Leiferman KM, Trocme SD,
Gleich GJ. Tissue eosinophilia and eosinophil degranulation in orbital
pseudotumor. Ophthalmology. 1991 Jun;98(6):928-32.
- Thorne JE, Volpe NJ, Wulc AE, Galetta SL. Caught by a masquerade:
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- Aylward GW, Sullivan TJ, Garner A, Moseley I, Wright JE. Orbital
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- Dei Tos AP, Seregard S, Calonje E, Chan JK, Fletcher CD. Giant cell
angiofibroma. A distinctive orbital tumor in adults. Am J Surg Pathol
1995 Nov;19(11):1286-93
- Ganesan R, Hammond CJ, van der Walt JD. Giant cell angiofibroma of
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