|
DOP Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Orbitametastase als Erstbefund bei Mamma-Karzinom
B. Link
Erlangen
Ophthalmopathologie-Nr.
36037, 1 Schnitt (PAS)
Patient: M.G., geb. am 3.11.1938
Anamnese:
Eine 63-jährige Patientin stellte sich in unserer Ambulanz mit einer
seit einem halben Jahr links mehr als rechts bestehenden Lidschwellung
und Bindehaut-Chemosis unklarer Genese vor. Desweiteren wurden zeitweise
auftretende vertikale Doppelbilder von der Patientin beklagt. Die Allgemeinanamnese
ergab, abgesehen von einer Strumektomie, keinen Hinweis auf eine mögliche
Ursache der von der Patientin beschriebenen Symptome. Die Schilddrüsenhormonwerte
lagen im Normbereich.
Klinischer
Befund:
Bei der klinischen Untersuchung wurden folgende Befunde erhoben: Die Sehschärfe
betrug auf dem rechten Auge sc 0,5p (G.b.n.), auf dem linken Auge cc +1,0
sph = 0,25. Der Augeninnendruck lag mit rechts 16 mmHg, links 17mmHg im
Normbereich. Palpatorisch fielen in Projektion auf beide Unterlider wenig
abgegrenzte Verhärtungen auf. Die Lidspaltenweite betrug rechts 6
mm, links 7 mm. Es konnte kein Exophthalmus nachgewiesen werden. Links
mehr als rechts war die Bulbusmotilität vor allem im Aufblick eingeschränkt,
beidseits zeigten sich deutliche Defizite auch in Ab- und Adduktion, das
Bell’sche Phänomen war nicht auslösbar. Auf dem rechten
Auge fielen weiterhin eine Iris bicolor und eine episklerale Melanose
auf.
Weiterführende
Diagnostik:
Im CT (Orbita Dünnschicht, Schädel) zeigte sich beiderseits
eine retrobulbäre Infiltration mit Einbeziehung der Musculi recti
mediales und inferiores, der Nervus opticus war nicht in allen Schichten
sicher abgrenzbar, eine intrakranielle Beteiligung konnte nicht nachgewiesen
werden.
Weiteres Prozedere:
Zur genaueren Abklärung des infiltrativen Prozesses führten
wir bei der Patientin eine vordere transkonjunktivale Orbitotomie, inzisionale
Biopsie und Tumorvolumenreduktion durch. Dabei fiel intraoperativ narbig
verändertes orbitales Fettgewebe auf. Aus diesen Bereichen wurden
die Biopsien entnommen.
Histologischer
Befund:
Histologisch zeigten sich in einem Orbita-Weichteilbiopsat fokale Infiltrate
eines verstreutzellig wachsenden, relativ kleinzelligen malignen Tumors
epithelialer Herkunft. Teilweise zeigten die Tumorzellen eine Gänsemarschformation,
einige Tumorzellen enthielten PAS-positive Schleimvakuolen. Der histologische
Befund ist vereinbar mit dem eines diffus wachsenden Adeno-Karzinoms.
Immunhistochemisch zeigte sich eine starke Expression von Östrogen-,
aber keine Expression der Progesteronrezeptoren.
Diagnose:
Da der histologische Befund vereinbar ist mit dem eines invasiv lobulären
Mamma-Karzinoms, stellten wir die Patientin in der Gynäkologischen
Klinik vor. Dort wurde ein bis dahin weder mammographisch noch sonographisch
aufgefallener Tumor im temporal oberen Quadranten der rechten Mamma entdeckt,
der als Primärherd der orbitalen Metastase eingestuft wurde.
Verlauf:
Acht Monate nach Einleitung der Chemotherapie kam es zu einer klinisch
nachweisbaren Rückbildung der orbitalen Metastasen.
Diskussion:
Differentialdiagnostisch müssen Ursachen infiltrativer Raumforderungen
der Orbita in Erwägung gezogen werden, von denen im Erwachsenenalter
lymphoide Tumore (24%), vaskuläre Tumore (16%), entzündliche
Prozesse (9%) und Tränendrüsentumore (9%) die häufigsten
sind. Erst an 5. Stelle stehen sekundäre Tumore (8%) [1]. Orbitale
Metastasen sind bei verschiedenen Malignomen (Karzinome und Melanome)
beschrieben, an erster Stelle stehen Primärtumoren in Mamma (53%),
gefolgt von Prostata (12%), Lunge (8%), Haut (6%), Niere (5%), Gastrointestinaltrakt
(5%) und anderen [2]. Initialsymptome orbitaler Metastasen sind zum Beispiel
eingeschränkte Bulbusmotilität, Exophtalmus, Ptosis, Diplopie,
rotes Auge, Photophobie [3]. Während in der Literatur zahlreiche
Berichte über orbitale Metastasen zu finden sind, sind jedoch nur
vereinzelt Berichte über Orbitametastasen als Primärmanifestation
des Tumorleidens zu finden [4,5].
Schlußfolgerung:
Aufgrund der Wichtigkeit der frühzeitigen Diagnosestellung möchten
wir anhand dieser Fallbeschreibung darauf hinweisen, daß bei entsprechender
Klinik auch ohne die entsprechende Allgemeinanamnese frühzeitig an
das Vorliegen einer orbitalen Metastase gedacht, und die entsprechende
Diagnostik eingeleitet werden sollte.
Literatur:
- Garner A, Klintworth
GK (ed): Pathobiology of ocular disease, 2nd edn, Basel: Marcel Dekker
1994
- Shields JA et
al., Cancer metastatic to the Orbit, The 2000 Robert M. Curts Lecture,
Opthal Plast
Reconstr Surg. 2001 Sep; 17(5):346-354
- Char DH et al,
Orbital metastases: diagnosis and course, Br. J. Ophthalmol. 1997; 81:386-390
- Toller KK et al.,
Bilateral Orbital Metastasis from Breast Carcinoma. A case of false
pseudotumor, Ophthalmology 1998 Oct; 105(10):1897-901
- Glazer LC et al.,
Orbital metastasis as the presenting sign of adenocarcinoma of the breast,
Opthal Plast Reconstr Surg. 1991; 7(4):252-5
Zur
vorhergehenden Seite |