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DOP Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Invasiv wachsender Tumor der Kornea und Konjunktiva
einer farbigen Patientin
Meike Schellenbeck1, Veit Krenn2, Lars Morawietz2, Dan Kiage3, Uwe Pleyer1
Augenklinik
und Poliklinik1, Institut für Pathologie2, Charité Campus
Virchow, Humboldt Universität zu Berlin, Augustenburger Platz 1,
13353 Berlin
Histologie-Nr.:
527599-02
Patient: C.T., geb. 16.11.1967
Klinische
Angaben:
Eine 34 jährige Kenianerin stellte sich im April 2002 erstmalig in
der „Light House Eye Clinic3“ der Christian Mission in Mombasa
vor. Anamnestisch bestand seit ca. 1 Jahr ein progredienter, exophytisch
wachsender Tumor im Bereich der superioren und temporalen bulbären
Bindehaut, der mit einem chronischen Reizzustand, einer Hyperämie,
Epiphora und binokularen Doppelbildern assoziiert war. Die übrige
Augen- und Allgemeinanamnese der Patientin war unauffällig. Die Patientin
gab an, mehrfach serologisch als HIV negativ getestet worden zu sein.
Die Untersuchung erbrachte den Befund eines massiven, breitbasigen Tumors
der superioren und temporalen Augenoberfläche, der sich von der Konjunktiva
in Richtung Kornea ausdehnte. Aufgrund der Prominenz des Tumors war es
bereits zu einem Lidschlussdefekt und einer deutlichen Benetzungsstörung
gekommen. Funktionelle Beeinträchtigungen bestanden in einer Motilitätsstörung
und in einer Reduktion der Sehschärfe auf 0,3. Das breitbasige Abtragen
des Tumors gelang problemlos, so dass eine in toto Exzision erfolgen konnte.
Makroskopie:
Der Tumor ist 1,2 x 0,75 x 0,6 cm groß. Die Struktur erscheint läppchenartig,
die Farbe ist blaß-grau, die Konsistenz mittelhart. Makroskopisch
sind sowohl Vaskularisation als auch vereinzelte Hyperpigmentierungen
erkennbar.
Mikroskopie:
Es kommen kleinere Anteile der Konjunktiva zur Darstellung mit einem geschichteten,
nicht verhornendes Plattenepithel und einzelnen Becherzellen. Ebenfalls
kleinherdig findet sich ein dysplastisches Plattenepithel mit Stratefizierungsverlust,
welches aus locker angeordneten und invasiv wachsenden Tumorzellen besteht.
Sie weisen mäßig große, hyperchromatische Kerne auf.
Tumorriesenzellen sind nur vereinzelt erkennbar. Kleinherdig sind feintrabekuläre
Abschnitte in ein faserreiches Stroma eingebettet. Vereinzelt finden sich
konzentrische Ansammlungen von verhornten Zellen in Form von Hornperlen
sowie atypische Mitosefiguren. Die makroskopisch sichtbare Pigmentierung
ist im histologischen Präparat nur gering ausgeprägt.
Immunhistologie:
Der Proliferationsindex (MIB-1) beträgt in den basalen Abschnitten
etwa 10%. Erwartungsgemäß findet sich eine kräftige Expression
der Zytokeratine CK5/6, die den Verdacht auf einen epithelialen Tumor
bestätigt. Human Papilloma Virus (HPV) lässt sich immunhistochemisch
nicht nachweisen.

Molekularbiologische
Analyse:
In der molekularbiologischen Analyse ergibt sich für die Kontroll-PCR
(ß-Globulin-DNA; 268 bp) kein spezifisches Amplifikat, so dass hier
von einer denaturierten DNA bei zu langer Formalinfixierung auszugehen
ist. Ein molekularbiologischer Nachweis von HPV und Human Immunodeficiency
Virus (HIV) ist somit nicht möglich.
Diagnose:
Es handelt sich um ein nur fokal (gering) verhorntes Plattenepithelkarzinom
der Konjunktiva (Differenzierungsrate: G2).
Diskussion:
Das invasive Plattenepithelkarzinom der Bindehaut ist der häufigste
maligne Tumor der Konjunktiva [1][2]. Seine Inzidenz variiert in Abhängigkeit
von der geographischen Lage und liegt bei 1 bis 3 Fällen im Jahr
pro 100.000 Einwohner [3]. Als Prädilektionsstelle gilt der lichtexponierte
Hornhautlimbus und die bulbäre Konjunktiva. Von dort breitet sich
der Tumor im Bereich der Lidspalte typischerweise nach kornealwärts
aus. Das invasive Plattenepithelkarzinom betrifft bevorzugt Männer
des fortgeschrittenen Lebensalters, es kommt jedoch auch gelegentlich
bei jüngeren Patienten mit Grunderkrankungen wie Neurodermitis oder
Xeroderma pigmentosum vor [4-6]. Als pathogenetisch bedeutsam werden eine
vermehrte UV(B)-Exposition, eine lokale oder systemische Immundefizienz
und die virale Infektion mit HPV oder HIV angesehen [1, 7-10]. Seit einigen
Jahren vermehren sich Berichte aus Afrika, in denen eine deutliche Zunahme
der Inzidenz von Plattenepithelkarzinomen bei Patienten mit AIDS beschrieben
werden [9-11]. Das Plattenepithelkarzinom der Konjunktiva zählt dort
zu den häufigsten extraokulären Manifestationen von AIDS. Obwohl
die Pathogenese noch nicht hinreichend geklärt ist, scheint die HIV-Infektion
auch die Aggressivität des Tumors bezüglich Wachstum, Infiltration
und Rezidivrate zu erhöhen [12,13]. Anamnestisch war die hier beschriebene
Patientin serologisch als HIV negativ getestet worden. Ein molekularbiologischer
Nachweis von HPV oder HIV war aufgrund der denaturierten DNA nicht möglich.
Bei länger bestehenden extraokulären Reizzuständen, „chronischer
Bindehautentzündung“ oder einer konjunktivalen Raumforderung
sollte auch in unserer täglichen Routine bei der ophthalmologischen
Kontrolle von Patienten mit AIDS das Vorliegen eines Plattenepithelkarzinoms
bedacht werden. Umgekehrt sollte man bei jüngeren Patienten mit „atypischen“
Bindehauttumoren an die mögliche Manifestation einer HIV-Infektion
denken.
Literatur
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Wiliams & Wilkins, 1999; part 2:p234-236.
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mit massiver intraokularer Invasion. Klin Monatsbl Augenheilk 2001;
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ein Risikofaktor für Bindehautkarzinome? 99. Jahrestagung der DOG,
2001, Poster 142.
- Karcioglu Z, Issa
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- Lewallen S, Kenneth
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