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DOP Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Phakomatöses Choristom des Lides (Zimmerman-Tumor)
Priv.Doz.
Dr. Stefan Dithmar
Universitäts-Augenklinik,
Im Neuenheimer Feld 400, D-69120 Heidelberg
Histologie-Nr.:
25244 1 HE Schnitt,
1 PAS Schnitt
Ein 12-Monate
altes Mädchen wurde aufgrund eines Tumors im Bereich des linken medialen
Unterlides vorgestellt. Es handelte sich um einen seit Geburt bekannten
subepidermal glegenen, palbatorisch derben, gut abgrenzbaren Tumor. Die
darüber liegende Epidermis war unauffällig. Der Tumor war nicht
an knöchernen Orbitastrukturen adhärent und hatte seit Geburt
lt. Aussage der Eltern nicht an Größe zugenommen. Auf Wunsch
der Eltern erfolgte unter der klinischen Verdachtsdiagnose eines nasalen
Dermoids die totale Exzision des Tumors unter Schonung der Tränenwege.
Intraoperativ zeigte sich ein großer Tumor der Verwachsungen mit
unteren Tarsusanteilen aufwies und bis in den unmittelbaren subkonjunktivalen
Raum hineinreichte. Der postoperative Verlauf gestaltete sich unauffällig,
Histologie
Die makroskopische Beurteilung zeigte einen 13 x 10 x 5mm messenden Tumor.
Das Gewebe wurde halbiert, die Schnittfläche hatte ein weiß-graues
Aussehen, die Konsistenz war fest. Das Präparat wurde auf die Schnittkanten
eingebettet.
Histologisch zeigt sich dichtes kollagenes Bindegewebe mit irregulären
Nestern und Strängen von z. T. großen epithelialen Zellen,
die von dicken PAS-positiven Membran umgeben sind. Die Zellen sind überwiegend
kubisch und weisen runde, zentral-gelegene Zellkerne auf. Mitosen sind
nicht erkennbar. Die Zellnester sind in der Weise organisiert, dass sie
von einer PAS-positiven Membran umgeben sind, der eine einschichtige Epithelschicht
aufsitzt. Zum Zentrum hin finden sich vereinzelt größere, sich
blass anfärbende Zellen mit vesikulärem Zytoplasma, welche an
Wedlsche Blasenzellen erinnern wie sie bei der Cataract gefunden werden.
Immunhistochemische Untersuchungen zeigen eine Anfärbbarkeit der
Zellen für S100 und Vimentin und keine Immunreaktivität für
Cytokeratin (AE1/AE3).
Es wurde die Diagnose eines phakomatösen Choristoms gestellt.
Kommentar
1971 beschrieb Zimmerman erstmals einen kongenitalen Lidtumor, welcher
sich histologisch aus Linsengewebe zusammensetzte. Zimmerman nannte diesen
Tumor „phakomatous choristoma“. Seit der Erstbeschreibung
sind wenige weitere Kasuistiken bekannt geworden. Von den bislang 18 berichteten
Fällen eines phakomatösen Choristoms waren bei allen Patienen
das nasale Unterlid betroffen (bei 9 Pat. das rechte, bei den anderen
9 Pat. das linke Unterlid, s.Tab.). Bei fast allen Patienten wurde der
Tumor im ersten Lebensjahr entfernt. Die Tumoren maßen im Durchmesser
1-2 cm.
Die Tumoren zeichneten sich durch die oben beschriebenen typischen histologischen
Aspekte aus, die denen von Linsenepithelzellen ähneln. Die PAS-positiven
Basalmembranen entsprechen der Linsenkapsel. Diese Charakteristika und
das Vorkommen von Wedl-Zellen entsprechen Veränderungen wie sie bei
Cataract zu finden sind. Mitunter können auch umschriebene Kalzifizierungen
wie in lang-bestehenden Cataracten gefunden werden.
Bei der embryologischen Entwicklung der Linse kommt es in der 4.Woche
zu einer umschriebenen Verdickung des Oberflächenektoderms und hierdurch
zur Bildung der Linsenplakode (gr. plakos: Platte). Diese stülpt
sich ein, bildet das Linsenbläschen und verliert dann die Verbindung
zum Oberflächenektoderm. Schließlich schiebt sich Mesenchym
zwischen Linsenbläschen und Oberflächenektoderm. Bei der Entstehung
eines phakomatösen Choristoms ist davon auszugehen, dass Zellen der
Linsenplakode außerhalb des Augenbechers persistieren, sich rudimentär
differenzieren und schließlich proliferieren. Die bislang bekannt
gewordenen wenigen phakomatösen Choristomen waren fast ausschließlich
inferior-nasal lokalisiert mit gelegentlicher Ausdehnung posterior in
die Orbita. Diese Lokalisation phakomatöser Choristome ist möglicherweise
durch die Lage der fetalen Augenbecherspalte vorgegeben.
Phakomatöse Choristome können wachsen, da die ektopen Zellen
den frustranen Versuch unternehmen, eine Linse auszubilden. Der Tumor
ist gutartig und bislang wurde auch nach imkompletter Resektion (Zimmerman
1971) kein erneutes Tumorwachstum festgestellt.
Autor
|
Patientenalter |
Geschlecht |
Lokalisation |
Tumorgröße |
| Zimmerman 1971
|
10 Wochen |
M |
Rechtes mediales
Unterlid |
Nicht angegeben |
| Zimmerman 1971 |
6 Monate |
M |
Rechtes mediales
Unterlid |
10 mm |
| Zimmerman 1971 |
2 Wochen |
M |
Rechtes mediales
Unterlid |
12x7 mm |
| Filipic 1972
|
5 Monate |
F |
Rechtes mediales
Unterlid |
16x6 mm |
| Greer 1975 |
4 Monate |
M |
Linkes mediales
Unterlid |
12x10x6 mm |
| McMahon 1976 |
4 Monate |
M |
Linkes mediales
Unterlid |
12x10x7 mm |
| Baggesen 1977 |
5 Monate |
F |
Linkes mediales
Unterlid |
Nicht angegeben |
Tripathi 1981
|
5 Monate |
M |
Linkes mediales
Unterlid |
Nicht angegeben |
| Sinclair-Smith
1989 |
4 Monate |
M |
Linkes mediales
Unterlid |
15x10x10 mm |
| Eustis 1990 |
4 Monate |
M |
Rechtes mediales
Unterlid |
14x11x7 mm |
| Leatherbarrow
1992 |
3 Monate |
F |
Rechte mediale
vordere Orbita |
10x8x4 mm |
| Rosenbaum 1992 |
13 Monate |
M |
Rechtes mediales
Unterlid |
17x15x9 mm |
| Ellis 1993 |
10 Wochen |
M |
Rechtes mediales
Unterlid |
13x13 mm |
| Peres 1998 |
3 Monate |
M |
Linke mediale
vordere Orbita |
Ca. 20 mm |
| Kamada 1998 |
2 Wochen |
M |
Linkes mediales
Unterlid |
12x7 mm |
| Seregard 1999 |
1 Monat |
F |
Linke mediale
vordere Orbita |
13x11x8 mm |
| Shin 1999 |
2 Monate |
M |
Linkes mediales
Unterlid |
12x10 mm |
| Blenc 2000 |
2 Monate |
M |
Rechtes mediales
Unterlid |
15x12x2 mm |
Literatur
- Baggesen LH, Jensen
OA. Phakomatous choristoma of lower eyelid; a lenticular anlage tumour.
Ophthalmologica 1977;175:231-5
- Blenc AM, Gomez
JA, Lee MW, et al. Phakomatous Choristoma. Am J Dermatol 2000;22:55-9
De Vincentiis M. Sur les propriétés morphogénétiques
et organisatrices de la vésicule optique humaine á la
lumiére d´un cas particulier de tératologie oculaire.
Acta Ophthalmol 1952;30:255-79
- Ellis FJ, Eagle
RC Jr, Shields JA, et al. Phakomatous Choristoma. Immunohistochemical
confirmation of lens-specific proteins. Ophthalmology 1993;100:955-60
- Eustis HS, Karcioglu
ZA, Dharma S, Hoda S. Phakomatous choristoma: clinical histopathologic
and ultrastructural findings in a 4-month-old boy. J Pediatr Ophthalmol
Strabismus 1990;27:208-11
- Filipic M, Silvia
M. Phakomatous choristoma of the eyelid: a tumor of lenticular anlage.
Arch Ophthalmol 1972;88:172-5
Greer CH. Phakomatous choristoma in the eyelid. Aust J Ophthalmol 1975;3:106-7
- Kamada Y, Skata
A, Nakadomari S, Takehana M. Phakomatous Choristoma of the eyelid: immunohistochemical
observation. Jpn J Ophthalmol 1998;42:41-45
- Leatherbarrow
B, Nerad JA, Carter KD, Pe’er J, Spencer J. Phakomatous choristoma
of the orbit: a case report. Br J Ophthalmol 1992;76:507-8
- McMahon RT, Font
RL, McLean IW. Phakomatous choristoma of eyelid; electron microscopic
confirmation of lenticular derivation. Arch Ophthalmol 1976:94:1778-81
- Peres LC, da Silva
AR, Belluci AD, Cruz AA. Phakomatous choristoma of the orbit. Orbit
1998;17:47-53
- Rosenbaum PS,
Kress Y, Slamovits TL, Font RL. Phakomatous choristoma of the eyelid.
Ophthalmology 1992;99:1779-1784
- Seregard S. Phakomatous
choristoma may be located in the eyelid or orbit or both. Acta Ophthalmol
Scand 1999;77:343-6
- Sinclair-Smith
CC, Emms M, Morris HB. Phakomatous choristoma of the lower eyelid. A
light and ultrastructural study. Arch Pathol Lab Med 1989;113:1175-7
- Shin HM, Song
HG, Choi MY. Phakomatous Choristoma of the eyelid. Korean J Ophthalmol
1999;13:133-7
- Tripathi RC, Tripathi
BJ, Ringus J. Phakomatous choristoma of the lower eyelid with psammoma
body formation. Ophthalmology 1981;88:1198-1206
- Zimmerman LE.
Phakomatous choristoma of the eyelid. A tumor of lenticular anlage.
Am J Ophthalmol 1971;71:169-177
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