DOP Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg

Photorefraktive Keratektomie bei Keratokonus

Thomas Hammer

Universitätsaugenklinik mit Poliklinik, Magdeburger Str. 8, 06097 Halle (Saale), thomas.hammer@medizin.uni-halle.de

Patient: T. B., geb. 27.02.1963
1 HE-Schnitt, 1 Diapositiv

Anamnese:
Im Dezember 2000 stellte sich ein 37jähriger Patient wegen "zunehmender Kurzsichtigkeit" auf dem rechten Auge in der Ambulanz unserer Klinik vor. Bei ihm war 1997 eine Photorefraktive Keratektomie (PRK) mit dem Excimer-Laser in einer auswärtigen Klinik bei seit über 10 Jahren bekannter Hornhautverkrümmung durchgeführt worden. Laut Angabe des Patienten betrugen die Werte der sphäro-zylindrischen Korrektur des rechten Auges -3,0s -5,0c 168°. Damit sollte der Astigmatismus des rechten Auges der Situation am linken Auge angepasst werden. Nach dieser Behandlung korrigierte der Patient seinen Refraktionsfehler mit einer Brille. Seit zwei Jahren sei es dann wieder zur Zunahme der Kurzsichtigkeit gekommen, welche weder mit Brille noch mit speziellen Keratokonus-Kontaktlinsen ausgeglichen werden konnte.

Klinischer Befund:
Visus:
rechts: 1/20; -3,0 s -8,5 c 150° = 0,1      stenop. 0,2
links: 1/10; -5,5 s -7,5 c 140° = 0,32       stenop. 0,5
Beidseits zeigte sich eine bereits spaltlampenmikroskopisch deutlich erkennbare Vorwölbung der Hornhaut mit positivem Munson-Zeichen. Auf dem rechten Auge ließ sich eine zarte subepitheliale Narbe im Sinne eines "Haze" erkennen. Im zentralen Anteil der Hornhaut waren beidseits im Bereich der Descemet-Membran sog. "Glasleisten" zu erkennen. In der unteren Hornhauthälfte war parazentral eine bogenförmige Eisenlinie sichtbar. Die Pachymetrie zeigte eine minimale Dicke von 450 µm. Die übrigen optischen Medien waren klar. Die Netzhautperipherie wies mit pigmentierten Laserherden ausreichend umstellte Foramina auf.
Im Februar 2002 führten wir eine perforierende Keratoplastik unter Nutzung des Geführten Trepansystems (GTS) nach Krumeich durch.
Visus: August 2002 rechts: 0,2 Gläser bessern nicht.

Makroskopischer Befund:
Hornhautscheibchen mit 8 mm Durchmesser des rechten Auges

Mikroskopischer Befund:
Das Hornhautepithel weist eine unregelmäßige Dicke auf. Im zentralen Anteil der Hornhaut ist das Epithel bis auf 7-8 Schichten verdickt. Die Kontinuität der Bowman-Lamelle endet parazentral. Sie fehlt im zentralen und parazentralen Bereich der Hornhaut. Das Stroma erscheint im Zentrum etwas verdünnt. Wobei keine so starke Verschmälerung wie es üblicher Weise bei anderen Keratokonus-Hornhäuten auftritt nachweisbar ist. Die Descemet-Membran ist intakt. Das Hornhautendothel weist eine Zelldichte von 15-18 Zellen pro Blickfeld bei 400facher Vergrößerung auf.

Diagnose:
Keratokonus mit ausgedehnten Defekten der Bowman-Lamelle nach PRK

Diskussion:
Unter der Bezeichnung des Keratokonus wird ein Spektrum kornealer Ektasien erfasst, welche alle konusartige Vorwölbungen des Hornhautzentrums aufweisen. Die jeweiligen Ausprägungen können in Form und Größe der Vorwölbungen sehr variabel sein. Der Keratokonus manifestiert sich meist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr (1). Da eine familiäre Häufung nachweisbar ist, wurden verschiedene Untersuchungen zu einem möglichen Vererbungsmodus durchgeführt. Wahrscheinlich ist aber von einem multifaktoriellen Erbgang auszugehen (2, 3).
Der Einsatz von refraktiv-chirurgischen Verfahren mit dem Excimer-Laser hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Seitens der Kommission für refraktive Chirurgie (KRC) sind klare Indikationen und Kontraindikationen festgelegt worden. Die Durchführung einer PRK wird heute nur noch in einem Bereich bis -5,0 D als geeignetes Verfahren angesehen. Bei höheren Myopien und Astigmatismen sind die Korrekturergebnisse unsicherer, und die Gefahr einer zentralen Narbenbildung (Haze) steigen deutlich an (4). Im Falle des hier vorgestellten Patienten wurde eine Excimer-Laserkorrektur trotz vorbestehendem Keratokonus durchgeführt. Davon ist insbesondere deshalb auszugehen, da auch auf dem nichtoperierten linken Auge eine zentrale Hornhautverdünnung mit nach unten dezentrierter Vorwölbung bei Aufsteilung des inferioren Hornhautbereiches erkennbar ist. In Deutschland ist der Keratokonus eine Kontraindikation für die Durchführung einer PRK. Andere Autoren beschrieben aber auch geplante PRK bei Keratokonus zur Reduktion der Myopie und des Astigmatismus (5, 6).
Die beschriebene Kasuistik dieses Patienten weist noch einmal deutlich darauf hin, dass neben einer Hornhauttopographie auch eine Pachymetrie durchgeführt werden muss. Im vorliegenden Fall ist vor dem refraktiven Eingriff nur eine Topographie durchgeführt worden. Nicht immer ist dabei ein Keratokonus zu erkennen. Diese Befundkonstellation von regulärem Astigmatismus der Hornhaut-Vorderfläche bei zentraler Stromaverdünnung und unregelmäßiger Hornhautrückfläche wird auch als "posteriorer Keratokonus" bezeichnet. Um diese diagnostische Lücke zu schließen, empfiehlt sich z.B. der Einsatz des Orbscan-Systems. Dabei werden videokeratoskopisch die korneale Vorder- und Rückfläche, die Pachymetrie und die Brechkraft im Sinne einer Keratometrie erfasst. Somit ist es dann auch möglich Unterschiede in der Konfiguration der Rückfläche zu erfassen und in Beziehung zur Hornhautdicke zu setzen, um einen Keratokonus diagnostizieren zu können.
Eine neue und interessante Technik zur Erfassung der optischen Situation in einem Keratokonusauge ist die Aberrometrie (7).

Literatur:

  1. Kennedy RH, Bourne WM, Dyer JA: 48-year clinical and epidemiologic study of keratokonus. Am J Ophthalmol 1986 (101) 267
  2. Hallermann W, Wilson EJ: Genetische Betrachtungen über den Keratokonus. Klin Monatsbl Augenheilkd 1977 (179) 906
  3. Holbach LM, Hinzpeter EN, Naumann GOH: Kornea und Sklera. In Naumann GOH (Hrsg): Pathologie des Auges. 2. Auflage Springer Verlag Berlin Heidelberg 1997
  4. Homepage der Kommission Refraktive Chirurgie: www.augeninfo.de/krc/qualit.htm
  5. Mortensen J, Carlsson K, Ohrstrom A: Excimer laser surgery for keratokonus. J Cataract Refract Surg 1998 (24) 893-898
  6. Bilgihan K, Ozdek SC, Konuk O, Akata F, Hasanreisoglu B: Results of photorefractive keratectomy in keratokonus suspects at 4 years. J Refract Surg 2000 (16) 438-443
  7. Barbero S, Marcos S, Merayo-Lloves J, Moreno-Barriuso E: Validation of the estimation of corneal aberrations from videokeratography in keratokonus. J Refract Surg 2002 (18) 263-270

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