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DOP
Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Infektiöse kristalline Keratopathie
Dr. med. Anja
Silvia Hoff Johanniter-Krankenhaus,
Univ.-Augenklinik Bonn
Histologie-Nr.:
02-083
(I)
Patient: P., Peter *18.2.1954
Vorgeschichte:
Der Patient stellte sich erstmals Ende Januar 2002 mit Druckgefühl
am linken Auge, bestehend seit 2 Tagen, in unserem Notdienst vor. Anamnestisch
lag ein Sturz vor 7 Tagen (fraglich unter Alkoholeinfluß) vor. Der
Allgemeinzustand des Patienten war relativ schlecht, es bestand der Verdacht
auf chronischen Alkoholabusus, was jedoch von Seiten des Patienten verneint
wurde. Der Patient hatte zum Zeitpunkt des stationären Aufenthaltes
keinen festen Wohnsitz.
Der Visus am LA betrug Fingerzählen und Lichtschein mit intakter
Projektion. Es bestand eine sehr ausgeprägte konjunktivale Injektion.
Die Hornhaut zeigte ein zentral gelegenes dichtes, tiefes Infiltrat, umgeben
von einer größeren Erosio mit zahlreichen feinen, weiter oberflächlich
gelegenen Infiltraten. Außerdem bestand eine periphere Hornhaut-Vaskularisation
von 5 bis 7 Uhr, ein Hypopyon von ca. 2,5mm sowie eine Reizmiosis. Die
vorderen Augenabschnitte des rechten Auges waren reizfrei.
Der Patient wurde stationär aufgenommen und erhielt eine intensive
lokale und systemische Antibiotika- sowie Antimykotikatherapie. Ein durchgeführter
Hornhaut Abstrich blieb ohne Ergebnis. Bei ausbleibendem Therapieerfolg
erfolgte nun eine zweimalige Vorderkammer-Punktion im Abstand von 12 Tagen.
Hierbei wurde Material für die Mikrobiologie entnommen und eine antibiotische
und antimykotische Spülung durchgeführt. Bei beiden Eingriffen
blieb die Mikrobiologie jedoch wiederum ohne Ergebnis; es zeigte sich
kein Bakterien- oder Pilzwachstum. Bei weiterhin therapieresistentem Hornhaut-Ulcus
mit drohender Perforation wurde schließlich eine Keratoplastik à
chaud durchgeführt.
Histopathologischer
Befund
Mikroskopisch: Hornhautpräparat mit zentralem Epitheldefekt,
an den Defekt angrenzend unregelmäßiges Epithel; im Bereich
des Defektes im vorderen Stroma sowie in der Bowmanschicht „kristalline“
fein-granuläre Ablagerungen; im übrigen Stroma disseminiert
ringartige PAS-positive Strukturen; im gesamten Stroma mäßig
viele Entzündungszellen, vermehrt im Bereich des Epitheldefektes;
Gram-Färbung negativ
Transmissions-Elektronenmikroskopie:
Die lichtmikroskopisch auffälligen fein-granulären Ablagerungen
im vorderen Stroma entsprechen Bakterienkolonien (Kokken); eine genauere
Einordnung ist nicht möglich. Für die intrastromalen ringförmigen
Strukturen findet sich kein ultrastrukturelles Korrelat.
Histologische
Diagnose:
Infektiöse
kristalline Keratopathie
Diskussion:
Typisch für
die infektiöse kristalline Keratopathie sind diskrete weißliche,
verzweigte Ablagerungen im vorderen Hornhautstroma mit nur geringer assoziierter
Entzündungsreaktion. Die Trübungen entsprechen Ansammlungen
von Erregern.
In Frage kommen sowohl gram-positive und gram-negative Bakterien (insbes.
Strep. viridans, Staph. epidermidis) als auch Pilze (Candida spec.), Herpes-simplex
Viren und Akanthamöben. Prädisponierende Faktoren für die
Entwicklung einer kristallinen Keratopathie umfassen eine längerfristige
topische Kortikosteroidgabe, eine allgemeine Immunsuppression, eine Hornhauttransplantation
bzw. refraktive Chirurgie und das Tragen von weichen Kontaktlinsen. Eine
Besonderheit unseres Falles ist das Fehlen von typischen Risikofaktoren.
Der relativ schlechte Allgemeinzustand aufgrund des Alkoholabusus mit
einhergehender Schwächung des Immunsystems könnte jedoch die
Grundlage für eine Infektion bilden.
Oft ist eine aggressive antibiotische oder antimykotische Therapie erfolgreich,
daher ist die Suche nach dem auslösenden Erreger von großer
Bedeutung, um eine spezifische Therapie einleiten zu können. Weiter
bestehende Infektion, Vaskularisation oder Narbenbildung trotz intensiver
Therapie können eine perforierende Keratoplastik erforderlich machen.
Probleme bei Therapie und Diagnostik ergeben sich durch die speziellen
Eigenschaften insbesondere der Streptokokken, welche als häufigster
Erreger der infektiösen kristallinen Keratopathie gelten. Unter nährstoffarmen
Bedingungen bilden die Erreger eine Polysaccharidkapsel durch die sie,
trotz nachgewiesener in-vitro Sensitivität, einer antiobiotischen
Therapie nur schwer zugänglich sein können. Weiterhin gibt es
Varianten, die nur unter ganz speziellen Bedingungen kultivierbar sind
und somit eine negative Mikrobiologie vortäuschen. Interessant ist,
dass diese speziellen Gruppen auch für Infektionen in anderen avaskulären
Geweben im Körper verantwortlich sind (z.B. Herzklappen).
Bei negativer Mikrobiologie kann durch das typische histologische Bild
und die Elektronenmikroskopie die Diagnose gesichert werden.
Literatur:
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- Demonstration
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