DOP Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg

Mykotisches Hornhautulkus

Alexander Petzold

Klinik u. Poliklinik f. Augenheilkunde, Martin-Luther-Universität, Magdeburger Straße 14, 06097 HALLE, e-mail: alexanderpetzold@web.de

Histologie-Nr.: 6160/02
Patient: R.; geb.: 12.05.1983
OP-Datum: März 2002
Diapositive (klinischer Befund), histologisches Schnittpräparate (HE-/PAS-/, Grocott's Methenamine Silber Färbung)

Vorgeschichte:
Im Rahmen eines augenärztlichen Einsatzes unserer Klinik in Kamerun wurden unter anderem 6 Keratoplastiken durchgeführt. Die in Zentralafrika erstmals durchgeführten Hornhauttransplantationen hatten folgende Indikationen: Keratokonus (4x), bullöse Keratopathie (1x) sowie ein persistierendes Hornhautulkus. Bei dem letztgenannten Fall handelte es sich um eine 27jährige Frau mit einem anamnestisch seit 6 Wochen bestehenden Geschwür der Hornhaut ohne Besserung nach Applikation antibiotischer Augentropfen. Die Patientin konnte Lichtschein mit richtiger Projektion wahrnehmen. HIV oder andere Systemerkrankungen bestanden nicht.
Die spaltlampenmikroskopische Untersuchung zeigte ein zentrales, geringfügig erhabenes, unscharf begrenztes Infiltrat mit strahlenförmigen Ausläufern ohne Anzeichen eines Hypopyons. Im März diesen Jahres wurde eine perforierende Keratoplastik (8.2/8.0) mit 16 Einzelknopfnähten durchgeführt. Die entnommene Hornhaut wurde in fünfprozentige Formaldehydlösung gebracht und schließlich im pathologischen Institut der medizinischen Fakultät der MLU Halle histologisch aufgearbeitet.
Die Nachbehandlung erfolgte mit antibiotischen und kortisonhaltigen Augentropfen. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Das Transplantat war 10 Tage nach Durchführung der Keratoplastik vollständig epithelialisiert und zentral klar. Bisher sind keine Anzeichen einer Abstoßungsreaktion zu erkennen. Die Sehschärfe beträgt nach drei Monaten unkorrigiert 20 Prozent.

Mikroskopischer Befund:
Im histologischen Schnitt ist das fehlende äußere Epithel sowie eine Desintegration der Struktur der Kollagenfasern der vorderen Hälfte der Hornhaut erkennbar. Die Schichtung der Hornhautstrukturen ist sonst regelrecht, die Descemetsche Membran ist intakt. In der gesamten Hornhautdicke ist eine ausgeprägte Infiltration vorwiegend mit neutrophilen Granulozyten nachweisbar. Im vorderen Drittel der Cornea ist im Defektbereich eine deutliche Pilzbesiedlung zu erkennen. Der Nachweis der Pilzstrukturen erfolgte mit der PAS-Reaktion sowie mit der Silberimprägnation nach Grocott. Kein Nachweis viraler Einschlüsse. Keine Hinweise auf eine vorbestehende Keratitis herpetica.

Diagnose:
Mykotisches Hornhautulkus.

Kommentar:
Der histologische Befund bestätigte die anhand des klinischen Befundes vermutete Diagnose einer mykotisch ulzerierenden Keratitis.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer mykotischen Keratitis umfassen Hornhautverletzungen an denen meistens organisches Material, wie z.B. Holz, beteiligt ist, persistierende Epitheldefekte, Kontaktlinsen, eine vorausgegangene Keratoplastik und die Behandlung mit Steroiden (1). Die Candida Keratitis entwickelt sich gewöhnlich bei immungeschwächten oder entkräfteten Patienten (6).
Da sich die Pilze im Hornhautstroma befinden, ist ein einfacher Bindehautabstrich oft negativ, weshalb eine Abrasio corneae erforderlich ist (2). Gelegentlich gelingt der Nachweis von Pilzelementen erst durch ein Keratektomie (5).
Biomikroskopische Leitbefunde der Keratomykose können sein (4): 1. Granulozytäre Infiltrate im Hornhautepithel und oberflächlichen Stroma mit minimalen entzündlichen Infiltraten bei häufig intaktem Epithel. 2. Unscharfe Begrenzung der Hornhautstromainfiltration mit fadenartigen Ausläufern insbesondere bei Hyphen. 3. Multifokale eitrige Mikroabszesse oder Satellitenphänome. 4. Ringinfiltrate (sog. Immunring nach Wessely) meist ohne Erreger. 5. Geringe Iritis, nach einigen Tagen fibrinöse Endothelplaques.
Die Identifikation von Pilzelementen gelingt am besten mit der PAS-Reaktion (periodic-acid-schiff-reaction) (6) oder mit Versilberungen wie z.B. der Grocott's Methenamine Silber Methode (GMS) (3). Außerdem ist die Anwendung fluoreszierender Farbstoffe (z.B. Calcofluor, Uvitex-2B) sowie die Anfärbung mit Tinte oder Lactophenolblau möglich.
Der histologische Befund einer mykotischen Keratitis unterscheidet sich aber auch ohne Darstellung der Pilzhyphen von dem einer bakteriellen Infiltration durch eine meist geringer ausgeprägte, fokal akzentuierte granulozytäre Infiltration, nicht selten auch mit eosinophilen Granulozyten (7). Des weiteren durch die Ausbildung von Satellitenphänomenen, erzeugt durch multiple Mikroabszesse um Pilzelemente. Die granulomatöse Reaktion, welche in ca. 10% auftritt, kann auch an der Descemetschen Membran vorkommen. Die parallel zu den Stromalamellen gelegenen Pilzhyphen reichen weiter vom Ulkuskrater in das Stroma als bei entzündlichen Infiltraten und durchbohren die Descemetschen Membran. Wie bei bakteriellen Keratitiden ist die Ausbildung eines pyramidenförmigen sterilen Hypopyons möglich. Immunringe und Ringabszesse sind häufig.
Falls die medikamentöse Behandlung der Keratomykose nicht erfolgreich oder der Hornhautprozess zu weit fortgeschritten ist, sollte frühzeitig eine perforierende Keratoplastik durchgeführt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen und der Einhaltung grundsätzlicher Hygienestandards sind diese Eingriffe auch in Ländern der dritten Welt mit guten Ergebnissen durchführbar.

Literatur:

  1. Behrens-Baumann, W.: Zur Diagnostik und Therapie der Pilzkeratitis - Eine Übersicht. Klin.Monatsbl.Augenheilkd. (1997) 210:aA10-aA13
  2. Dieckhues, B.: Die Behandlung der Keratomykose mit Nystatin und Pimaricin. Klin.Monatsbl.Augenheilkd. (1966) 148:895-896
  3. Forster, R.K., Wirta, M.G., Solis, M., Rebell, G.: Methenamine-silver-stained corneal scrapings in keratomycosis. Am.J.Ophthalmol. (1976) 82:261-265
  4. Holbach, L., Hinzpeter, E.N., Naumann, G. (1997): Mykotische Keratits. In: Naumann, G. (ed) Pathologie des Auges. Berlin, 614-617
  5. Ishibashi, Y., Kaufman, H.E.: Corneal biopsy in the diagnosis of keratomycosis. Am.J.Ophthalmol. (1986) 101:288-293
  6. Liesegang, T.J. (1998): Fungal Keratitis. In: Kaufman, H.E., Barron, B.A., McDonald, M.B. (eds) The Cornea. Boston, 219-245
  7. Naumann, G., Green, W.R., Zimmerman, L.E.: A histopathologic study of 73 cases. Am.J.Ophthalmol. (1967) 64:668-682

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