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DOP
Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Unklare beidseitige Hornhauterkrankung
Karin U. Löffler
Univ.-Augenklinik,
Venusberg, D-53105 Bonn
Histologie-Nr.:
02-131
Patient: Al-G., Salem, geb. 14.10.1966
Vorgeschichte
Im März dieses Jahres stellte sich der aus Saudi-Arabien stammende
35-jährige Patient erstmals zur Einholung einer 2. Meinung in unserer
Klinik vor: er leide seit 5 Jahren beidseits an einer langsam fortschreitenden
Hornhauttrübung und sei nun seit etwa 2 Wochen nahezu völlig
blind. Das Sehvermögen betrug zu diesem Zeitpunkt an beiden Augen
lediglich noch Lichtschein. Ein Unfall in der Anamnese oder andere besondere
Ereignisse (einschließlich cornealer Applikation spezieller „Heilmittel“)
werden verneint; lediglich ein tumoröser Prozess unklarer Genese
im Bereich der Sella sei bekannt. – Bei der Untersuchung fand sich
beidseits eine von unregelmäßig begrenztenen dichten gelblichen
Massen durchsetzte, mäßig vaskularisierte Hornhaut; die Bindehaut
war (auch subtarsal) reizfrei und unauffällig. Eine Beurteilung der
intraokularen Strukturen war nur mittels Ultraschall möglich; hierbei
ließen sich keine eindeutig pathologischen Veränderungen erkennen.
Ein hochauflösender Ultraschall der Hornhaut hingegen zeigte eine
erhebliche Verdickung des gesamten Stromas, am RA sogar mit fraglichem
Durchbruch durch die Descemet.
Nach sorgfältigem Abwägen bei unklarer Prognose führten
wir dann eine Keratoplastik zunächst am LA durch. Diese gelang trotz
der schwierigen intraoperativen Verhältnisse komplikationslos und
verbesserte das Sehvermögen bereits unmittelbar nach dem Eingriff
auf 0.1.
Eine internistisch-rheumatologische sowie eine neurologisch-neurochirurgische
Abklärung ergaben eine ausgeprägte Hypophysen-Insuffizienz,
eine Hypertriglyceridämie, aber keine weiteren diagnostisch wegweisenden
Befunde.
Histopathologischer
Befund
Makroskopisch: gelbliches, vaskularisiertes, auf ca. 4mm verdicktes
Hornhautsegment (Hornhaut-Durchmesser ca. 7.5 mm); ein Teil bereits für
die Elektronenmikroskopie fixiert, ein weiterer Anteil tiefgefroren.
Mikroskopisch: Der histologische Schnitt zeigt ein Hornhautpräparat,
das von einem dichten xanthogranulomatösen Entzündungszellinfiltrat
durchsetzt ist. Es finden sich sowohl subepithelial Entzündungsherde,
größtenteils mit Zerstörung der Bowmanschen Schicht, als
auch stromal bis hin zur Descemet. Man erkennt zahlreiche Schaumzellen
und vereinzelt auch mehrkernige Riesenzellen sowie pigmenthaltige Makrophagen.
Dieses Pigment reagiert positiv in der Berliner-Blau-Reaktion für
Eisen; eine Ziehl-Neelsen-Färbung hingegen ist negativ.
Immunhistochemie: Eine Anfärbung mit CD-68-Antikörper weist
zahlreiche positive Zellen nach, und das Gewebe reagiert an manchen Stellen
ebenfalls positiv mit anti-S-100. Erstaunlicherweise führen auch
Antikörper gegen PGP 9.5 und gegen GFAP zu einer positiven Reaktion.
Mit Anti-HMB-45 kommt hingegen keine eindeutige Zellmarkierung zustande.
Elektronenmikroskopie: Die Morphologie der zur Darstellung kommenden
Zellen erlaubt keine eindeutige Zuordnung. Auffällig sind die erheblich
ineinander verzahnten Zellen, eigentliche Zellverbindungen sind jedoch
außerhalb des Epithelverbandes nicht nachweisbar. Zahlreiche Zellen
enthalten Lipid-Tröpfchen, und vereinzelt erkennt man auch die für
Mastzellen typischen Granula. Kollagenfibrillen finden sich nur noch spärlich.
– Unter rein ultrastrukturellen Gesichtspunkten ähnelt das
Zellbild an den untersuchten Stellen am ehesten einem Hodgkin-Lymphom.
Histologische
Diagnose
Xanthogranulomatöse Keratitis unklarer Ätiologie
(idiopathische Lipidkeratopathie?)
Diskussion
Bei den Lipidkeratopathien kann man primäre und sekundäre Erkrankungen
unterscheiden. Die beidseitige und nahezu symmetrische Lokalisation der
Hornhauterkrankung sowie der – leider unklare – intracerebrale
Tumor legen den Verdacht auf eine Systemerkrankung (wie z.B. eine Sarkoidose)
nahe. In den durchgeführten Untersuchungen ließ sich allerdings
kein konkreter Hinweis für eine solche Erkrankung finden. Eine infektiöse
Genese erscheint unter Berücksichtigung des klinischen und histologischen
Bildes ebenfalls unwahrscheinlich. Denkbar wäre vielleicht die unkontrollierte
Selbstapplikation von „exotischen“ Augentropfen; dies wurde
von unserem Patienten jedoch verneint.
Die genaue Ursache und Pathogenese der vorliegenden Hornhauterkrankung
bleiben weiterhin unklar. In der Literatur sind vereinzelt Fälle
dokumentiert, die eine große Ähnlichkeit mit dem hier vorliegenden
Befund aufweisen. Möglicherweise handelt es sich demnach um ein zwar
äußerst seltenes, aber doch eigenständiges Krankheitsbild.
Literatur
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