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DOP Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Metastasiertes Aderhautmelanom
Cornelia Werschnik
Universitätsklinik
u. Poliklinik für Augenheilkunde, Martin-Luther-Universität,
Magdeburger Straße 8, 06097 HALLE
Histologie-Nr.:
162/85
Patient: K.L., geb. 30.04.1959
OP-Datum: 19.07.1985
3 Diapositive, 1 histologisches Schnittpräparat (HE-Färbung)
Anamnese:
Ein 26-jähriger Patient gab seit 2/85 Flimmern und Sehverschlechterung
des rechten bereits seit Kindheit dunkler aussehenden Auges an. Seit Anfang
7/85 sah er rechts nichts mehr und es kam zur Rötung und Schmerzen
am Auge, so dass er erstmals den Augenarzt aufsuchte.
Ophthalmologischer
Befund:
Es fand sich rechts ein Visus von nulla lux, Tensio 46 mmHg und bei 5
und 6 Uhr an der Bindehaut sowie an den Emissarien eine geringe Pigmentierung.
Außerdem war die Iris rechts gegenüber links stärker pigmentiert.
Ophthalmoskopisch zeigte sich rechts eine hochblasige totale Ablatio retinae
und sonographisch bestätigte sich der Verdacht auf eine solide Läsion
unter der Netzhaut.
Klinische Verdachtsdiagnose:
Doloröses Sekundärglaukom bei Tumorablatio retinae bei Heterochromia
simplex
Operation:
Am 19.07.1985 wurde die Enucleatio bulbi mit zu kurzem Optikusstumpf durchgeführt,
so dass eine Optikusnachresektion erfolgte.
Histologische Beurteilung:
Makroskopisch ist ein ca. 6 mm im Durchmesser und 2,5 mm prominenter
am Schnitt ausgemessener Tumorknoten erkennbar.
Mikroskopisch zeigt sich eine von der Aderhaut ausgehende spindelzellige
melanozytäre Neubildung. Die Tumorzellen bilden eine dichte faszikuläre
Struktur. Eingestreut sind einzelne Pigmentmakrophagen. Die Spindelzellen
besitzen längs-ovale Kerne mit kleinen distinkten Nukleoli. Es besteht
eine Sklerainfiltration, jedoch keine extraokulare Tumorausbreitung. Der
Nervus opticus zeigt keine Tumorinfiltration.
Das Melanom läßt sich einem Spindelzelltyp A zuordnen.
Diagnose:
Intraokulares malignes Melanom der Chorioidea vom Spindelzelltyp A; pT1b,
S1
Weiterer Verlauf:
- Im Februar 1986
erfolgte die Exzision eines kirschkerngroßen Tumors aus der rechten
Orbita bei Verdacht auf Fadengranulom. Histologisch fand sich unspezifisches
Granulationsgewebe.
- Die nachfolgenden
Kontrolluntersuchungen bis 1990 waren unauffällig.
- Im Januar 2002
lag der Patient wegen Thoraxschmerzen zur Abklärung stationär
in der Inneren Klinik. Das Thorax-CT zeigte multifokale weichteildichte
Raumforderungen mit Kontakt zur rechten Pulmonalarterie, Mittellappenbronchuseinengung
und Pleuraerguß rechts. Bei der Bronchoskopie wurde ein kugeliger
Tumor von S6 entfernt. Klinisch bestand der Verdacht auf Lymphangiosis
carcinomatosa rechts.
Histologie: Makroskopisch fand sich ein erbsgroßes grau-braunes
Gewebsstück.
Mikroskopisch zeigte sich ein Gewebsfragment mit Anschnitten größerer
Gefäße. Dazwischen sieht man ein zelldichtes Tumoinfiltrat
aus polygonalen und spindeligen mäßig zytoplasmareichen Tumorzellen,
die solide z. T. strangförmige Formationen mit Einschluß
von Gefäßanschnitten bilden. Die Tumorzellen besitzen vergrößerte
polymorphe Kerne mit aufgelockerter Chromatinstruktur und prominenten
Nukleoli. Disseminiert ist zwischen den Zellen, auch im Zytoplasma ein
bräunliches granuläres Pigment, das Fontana-positiv ist, zu
erkennen.
Diagnose: Metastase eines malignen Melanoms in der Lunge
- Weiteres Staging
ergab keinen Anhalt für andere Metastasen- bzw. Primärtumorlokalisationen,
so dass das uveale Melanom als Ausgangsneoplasie angenommen wurde .
Es erfolgte eine Polychemotherapie mit Gemcitabine und Treosulfan in
Berlin.
Kommentar:
Das Aderhautmelanom ist der häufigste maligne introkulare Tumor beim
Erwachsenen [1]. Hauptmetastasierungsort ist die Leber. 40% der Patienten
mit einem posteriorem Melanom der Uvea entwickeln Lebermetastasen innerhalb
von 10 Jahren nach Dignosestellung [3]. In der Literatur in der Studie
der COMS wurden Metastasen in der Leber bei 93% und in der Lunge bei nur
24% der 435 am Tumor Verstorbenen mit großem Aderhautmelanom gefunden.,
wobei 87% multiple Metastasen in mehreren Organen zeigten [2]. Isolierte
extrahepatische Metastasen, wie in diesem Fall nur in der Lunge, sind
selten [4,5,6]. In bisherigen Veröffentlichungen verstarben diese
Patienten meist innerhalb von 6 Monaten [4]. Auffallend beim chorioidalen
Melanom ist das Auftreten von Spätmetastasen viele Jahre nach der
Primärtumorentfernung [1], auch hier nach 17 Jahren. Man geht davon
aus, dass bereits subklinische Mikrometastasen vor der Enukleation vorhanden
sind und über Jahre ruhen können und später aktiviert werden.
Andere Meinungen beruhen auf einer möglichen Tumorzellausbreitung
durch die Manipulation bei der Enukleation [1]. Die bisher erzielten Behandlungsergebnisse
durch Chemotherapien bei Metastasierung sind nicht sehr befriedigend.
Neue Therapieansätze basierend auf immunologischem Angriffspunkten
erscheinen vielversprechend [7,8]. Aufgrund der bekannten Spätmetastasierung
ist eine lebenslange Nachbeobachtung der Patienten notwendig.
Literatur:
- Lommatzsch PK
(Hrsg.): Ophthalmologische Onkologie. Enke Verlag Stuttgart, 1999; 207-310.
- Assessment of metastatic
disease status at death in 435 patients with large choroidal melanoma
in the Collaborative Ocular Melanoma Study (COMS): COMS report no. 15.
Arch Ophthalmol 2001 May;119(5):670-676.
- Singh AD, Shields
CL, Shields JA: Prognostic factors in uveal melanoma. Melanoma Res 2001
Jun;11(3):255-263.
- Midena E, de Belvis
V, Dei Tos AP, Antonini C: Isolated brain metastasis of malignant choroidal
melanoma 27 years after enucleation. Arch Ophthalmol 1999 Nov;117(11):
1553-1556.
- Keller H, Hacker
R, Stolte M: Simultaneous enucleation of a pulmonary melanoma metastasis
and myocardial revascularisation. Med Klin 1997 Nov; 92 (11):683-685.
- Harada S, Kawahara
T, Kido M, Kajiki A, Ishikura Y, Koide O:Solitary pulmonary metastasis
of choroidal malignant melanoma: report of an unusual case. Endoscopy
1983 Nov;15(6):363-364.
- Nathan FE, Berd
D, Sato T, Shields JA, Shields CL, de Potter P, Mastreangelo MJ:BOLD
+ interferon in the treatment of metastatic uveal melanoma: first report
of active systemic therapy. J Exp Clin Cancer Res 1997 Jun;16(2):201-208.
- De Vries TJ, Trancikova
D, Ruiter DJ, van Muijen GN: High expression of immunotherapy candidate
proteins gp100, MART-1, tyrosinase and TRP-1 in uveal melanoma. Br J
Cancer 1998 Nov; 78(9):1156-1161.
Danksagung:
Für die histologische Mitbeurteilung der Präparate bedanke ich
mich bei Herrn Prof. Dr. med. habil. Holzhausen (Institut für Pathologie
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg).
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