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DOP
Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
“Optikusneuropathie durch Silikonöl”
Dr. A. Unsöld
Universitäts-Augenklinik,
Killianstr. 5, 79106 Freiburg, Tel. 0761-2704001, Fax: 0761-2704063
Patient: W.B., geb.
10.3.1922
Histologie-Nr.: 617-01
Vorgeschichte:
Bei einem 79-jährigen marcumarisierten Patienten mit Pseudoexfoliationsglaukom
und Linsentrübung wurde am rechten Auge eine Phakoemulsifikation
in Kombination mit einer Trabekulektomie vorgenommen. Zwei Tage postoperativ
sank der Augendruck auf 4 mmHg ab, begleitet von einer hohen Aderhautblutung.
Diese ließen wir 9 Tage postoperativ ab, da sie sich unter konservativer
Therapie nicht zurückbildete. Am Tag darauf zeigte sich jedoch erneut
eine Aderhautblutung, so dass eine umfangreichere Operation mit Vitrektomie
und Silikonöltamponade (1000 cs) erforderlich wurde. Postoperativ
stieg der Augendruck für mehrere Stunden auf 60 mmHg an und blieb
ca. 10 Tage auf erhöhten Werten von 30-40 mmHg. Danach entwickelte
sich eine Phtisis; die Funktion war auf Lichtscheinwahrnehmung herabgesetzt.
Fünf Monate nach der Öleinfüllung wurde der Bulbus wegen
Schmerzen entfernt.
Histologischer
Befund:
Bei der horizontalen Eröffnung des Bulbus entleert sich Silikonöl;
die Netzhaut ist vollständig abgehoben, die Intraokularlinse in situ.
Mikroskopisch zeigt sich eine vordere Synechierung mit Verschluss des
Kammerwinkels bei Rubeosis iridis. Auf den Zonulafasern und den Ziliarkörperzotten
ist Pseudoexfoliationsmaterial zu erkennen. Die Netzhaut ist vollständig
abgehoben und teils über eine PVR-Membran mit der Pars plana des
Ziliarkörpers verklebt. An wenigen Stellen erkannt man Vakuolen in
der Nervenfaserschicht. Die Aderhaut ist ödematös verdickt und
weist einen großen Hohlraum mit Hämosiderinablagerungen auf,
dessen Wand von verdichtetem Bindegewebe gebildet wird. Der Sehnerv ist
von zystoiden Hohlräumen durchsetzt, welche teilweise von Riesenzellen
umlagert sind.
Kommentar
Die zystoiden Hohlräume in Retina und Sehnerv sind in unserem Fall
sehr wahrscheinlich durch Silikonöleinlagerungen entstanden, wobei
das Silikonöl vermutlich durch den vorübergehend hohen Augendruck
in den Sehnerven gepresst wurde. Die Ansammlungen von Riesenzellen im
Nervus opticus sehen wir als Ausdruck einer granulomatösen Fremdkörperreaktion
auf das Öl.
Silikonöl wird seit über 40 Jahren für die Behandlung komplizierter
Netzhautoperationen eingesetzt. Schon lange bekannte Spätkomplikationen
des intravitrealen Silikonöls sind bandförmige Keratopathie,
Katarakt und Glaukom. Watzke stellte 1967 in einem silikonölgefüllten
Auge Ölkügelchen im Kammerwinkel, in der Irisbasis, sowie prä-
und subretinal fest1. In 5 nachfolgenden Studien2-6
wurde Öl in verschiedenen Strukturen des Auges nachgewiesen, jedoch
nicht im Nervus opticus. 1981 und 83 wurden in silikonölgefüllten
Augen mit erhöhtem Augen-druck Ölkügelchen in anterioren
Optikusanteilen gefunden7,8. Diese können weiter als 9
mm in den Sehnerven hineinreichen9,11.
Das „Schweizerkäse-artige“
Aussehen des Nervus opticus erinnert sehr an die Schnabelsche Optikusdegeneration.
Dabei kommt es infolge eines akuten Druckanstiegs zu einem Infarkt des
Sehnerven auf Höhe der Lamina cribrosa. Es bilden sich Brüche
in der Membrana limitans der Papille, und durch den hohen intraokularen
Druck wird Glaskörper in den Sehnerven gepresst, wodurch hyaluronsäuregefüllte
Kavernen entstehen. Ein ähnlicher Mechanismus wird bei der Optikusneuropathie
durch Silikonöl vermutet9,11. In einer im Jahr 2001 veröffentlichten
Studie von Budde et al.12 wurden 74 Augen nach Silikonöltamponade
histologisch untersucht. 24% wiesen eine Optikusneuropathie durch Silikonöl
auf, die nur in 13% von einer granulomatösen Entzündungsreaktion
begleitet war. Die Kavernenbildung wurde gleichermaßen in Verbindung
mit beiden üblicherweise verwendeten Silikonöltypen (1000 und
5000 cs) beobachtet. In allen Augen mit Silikonöloptikusneuropathie
war der Augendruck seit der Öleinfüllung erhöht; die Öltamponade
bestand seit durchschnittlich 3,5 Jahren. Selten sind Ölablagerungen
im Sehnerven bereits nach deutlich kürzerer Verweildauer des Öls
– frühestens nach 1 Monat – nachweisbar 8-12.
In unserem Fall
entwickelte sich eine Silikonöloptikus-Neuropathie nach nur 5 Monaten.
Erwähnenswert ist außerdem, dass der Augendruck nur über
wenige Tage stark erhöht war.
Literatur
- Watzke RC (1967) Silicone retinopoiesis for retinal
detachment: a pathologic report. Surv Ophthalmol 12:333-337
- Blodi FC (1971) Injection and impregnation of liquid
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- Leaver PK, Grey RH, Garner A (1979) Silicone oil injection
in the treatment of massive preretinal retraction, II: late complications
in 93 eyes. Br J Ophthalmol 63:361-366
- Laroche L, Pavlakis C, Saraux H, Orcel L (1983) Ocular
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- Parmley VC, Barishak YR, Howes EL, Crawford JB (1986)
Foreign body giant cell reaction to liquid silicone. Am J Ophthalmol
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- Rentsch FJ, in discussion: Scott JD (1981) Use of
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- Ni C, Wang WH, Albert DM, Schepens CL (1983) Intravitreous
silicone injection: histopathologic findings in a human eye after 12
years. Arch Ophthalmol 101:1399-1401
- Shields CL, Eagle RC Jr (1989) Pseudo-Schnabel's cavernous
degeneration of the optic nerve secondary to intraocular silicone oil.
Arch Ophthalmol 107:714-7
- Knorr HLJ, Seltsam A, Holbach LM, Naumann GOH (1996)
Intraokulare Silikonöltamponade. Eine klinisch-pathologische Studie
an 36 enukleierten Augen. Ophthalmologe 93:130-138
- Wenkel H, Naumann GOH (1999) Retrolaminäre Infiltration
des Nervus opticus durch als intraokulare Tamponade verwendetes Silikonöl.
Klin Monatsbl Augenheilkd 214:120-2
- Budde M, Cursiefen
C, Holbach LM, Naumann GOH (2001) Silicone oil-associated optic nerve
degeneration. Am J Ophthalmol 131:392-4
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