DOP
Originalbeiträge
XXX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
24. und 25. September 2002, Freiburg
Malignes Melanom
Dr. M. Lehnert
Univ.-Augenklinik,
Venusberg, D-53105 Bonn
Histologie-Nr.:
01-433
Patient: S., Harald, geb. 03.03.52
Vorgeschichte
Im Januar 2001 wurde uns der Patient erstmals konsiliarisch von der Dermatologie
vorgestellt. Es bestand der hochgradige V.a. ein malignes Melanom links
axillär mit multiplen kutanen Metastasen an Kopf, Hals, Brust und
Armen (ED 01/2001). Ein möglicher okulärer Primärtumor
sollte ausgeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt zeigte sich ein unauffälliger
ophthalmologischer Befund.
Die nächste Wiedervorstellung erfolgte am 04.12.2001 mit Bitte um
Entfernung eines pigmentierten Hauttumors am rechten Oberlid. Es bestand
die Verdachtsdiagnose einer Lidmetastase des zu diesem Zeitpunkt histologisch
gesicherten Primärtumors (noduläres malignes Melanom links axillär)
mit weit fortgeschrittener kutaner und abdomineller Metastasierung. Eine
palliative Chemotherapie war bereits eingeleitet worden.
Am 12.12.01 führten wir komplikationslos eine Exzision des Oberlidtumors
in lokaler Anästhesie durch. Es zeigte sich ein regelrechter postoperativer
Verlauf.
Histopathologischer
Befund (01-433)
Makroskopisch:
Lidkantenkeil, 11x7x6,5 mm, mit dunkel pigmentierter papillomatöser
Läsion im Bereich der inneren Lidkante und diffuser Pigmentierung
der Bindehaut; Präparat mit Schnittführung senkrecht zur Lidkante
halbiert, dabei zeigt sich ein vollständig vom Tumor durchsetzter
Tarsus
Mikroskopisch:
Lidkantenpräparat mit ausgedehntem Tumor; Tarsus größtenteils
destruiert und infiltriert; im Bereich der Bindehaut lidkantennah eher
verdrängendes, lidkantenfern eher infiltrierendes Wachstum; Tumorzellen
mit ausgeprägter Polymorphie, teilweise prominenten Nucleoli, teilweise
Pigmentierung und Mitosefiguren; insgesamt epitheloidzelliges Erscheinungsbild
Histopathologische
Diagnose
Lidmetastase
eines kutanen nodulären malignen Melanoms
Diskussion
Gewöhnlich kommt es bei malignen Melanomen der Haut primär zur
lymphatischen Metastasierung. Hämatogene Metastasen entstehen später
und sind – wenn sie auftreten- in der Regel weit gestreut. Leber,
Lunge und Haut sind meist mitbetroffen, die 10-Jahres-Überlebensrate
beträgt in diesem Fall 0%. Lidmetastasen und Bindehautmetastasen
eines malignen Melanoms sind jedoch auch dann äußerst selten.
Insgesamt sind nur ca.0,2% aller malignen Lidtumore Metastasen.
Primär maligne Melanome im Lidbereich sind mit einem Anteil von 1-2%
aller malignen Lidtumore bereits etwas häufiger anzutreffen. Sie
finden sich fast ausschlließlich bei hellhäutigen Patienten,
meist an sonnenexponierten Arealen. Sie sind sessil oder gestielt, ihre
Pigmentierung variiert; Blutungen und Ulzerationen können vorkommen.
Im allgemeinen gehen sie von einem vorbestehenden Nävus aus. Wie
bei kutanen Melanomen werden drei Typen unterschieden: 1. das Lentigo-maligna
Melanom, 2. das superfiziell spreitende Melanom und 3. das noduläre
Melanom.
Generell ist eine makroskopische Unterscheidung zwischen primärem
Melanom und Melanommetastase schwierig. Mikroskopisch zeigen sich bei
Melanommetastasen in der Regel kein Entzündungszellinfiltrat und
keine junctionale Aktivität. Dieses sind jedoch unzuverlässige
Parameter, da sowohl primäre Melanome frei von Entzündung sein
können als auch Metastasen durch Kontakt zur darüberliegenden
Epidermis eine junctionale Aktivität vortäuschen können.
Im Gegensatz zum
primären Melanom ist die Therapie einer Melanommetase – wie
sie im hier beschriebenen Fall vorliegt – prinzipiell palliativer
Natur. Dies erfordert bei einer operativen Intervention die gründliche
Abwägung von Belastung des Patienten zum individuellen Nutzen der
Therapie.
Die Indikation zur Tumorexzision in dem vorliegenden Fall wurde trotz
infauster Prognose für sinnvoll erachtet. Der Patient befand sich
am geplanten OP-Termin (elf Monate nach Erstdiagnose) in verhältnismäßig
gutem Allgemein- und Ernährungszustand und die bis dahin erfolgte
palliative Therapie zeigte zufriedenstellende Ergebnisse. Durch die Lidmetastasenentfernung
konnte eine weitere Destruktion der okulären Strukturen verhindert
werden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt (neun Monate post-OP) entwickelten
sich keine weiteren okulären Probleme, so dass sich die operative
Intervention nachträglich als sinnvolle und richtige Entscheidung
herausgestellt hat.
Literatur
- Heenan PJ, Clay
CD. Epidermotropic metastatic melanoma simulating multiple primary melanomas.
Am J Dermatopathol; 1991; Aug; 13(4):396-402
- Holbach L et al.
Differentialdiagnose bei Lidtumoren. Ophthalmologe; 2002; 99:394-413
- Lever WF. Melanocytic
Nevi and Malignant Melanoma. in Histopathology of the skin, 5. Edition
J.B. Lippincott Company, Philadelphia, Toronto; 1975; 646-681
- Vaziri M et al.
Clinicopathologic features and behavior of cutaneous eyelid melanoma.
Ophthalmology; 2002; May; 109(5):901-8
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