DOP Originalbeiträge
XXVII. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
Während DOG-Tagung, 19.-20. September 2000, Berlin

Solitärer fibröser Tumor der Orbita

Dr. Gesa-Astrid Hahn

Universitäts-Augenklinik
Schleichstr.12
D-72076 Tübingen

Klinik: :

Eine 1942 geborene Patientin stellte sich im Juli 1999 mit seit 7 Monaten bestehender Protrusio bulbi vor. Seit 3 Monaten waren zusätzlich Schmerzen und ein unspezifisches Druckgefühl aufgetreten. Außer einem Z.n. Strumektomie mit nachfolgender Hormonsubstitution bestanden keine Vorerkrankungen.
Es bestand ein Exophthalmus rechts von 3 mm, spaltlampenmikroskopisch fand sich eine geringe konjunktivale Gefäßstauung. In Primärposition bestand Nahexophorie, minimale Einschränkung der Ab- und Adduktion sowie eine Hebungseinschränkung rechts. Der übrige ophthalmologische Befund war unauffällig. Kernspintomographisch fand sich eine ovaläre, glatt konturierte Raumforderung (1,5 x 2,0 x 2,4 cm) in der rechten lateralen Orbita mit Verdrängung des m. rectus lat. nach medial und kaudal. Es bestand eine gleichmäßige Kontrastmittelaufnahme. Eine knöcherne- oder eine Weichteilinfiltration lag nicht vor.
Es erfolgte eine Tumorexzision. Introperativ fand sich im Bereich des vorderen Tumorpols der bläulich schimmernde Aspekt eines kavernösen Hämangioms, jedoch bestand bei fehlender Tumorkapsel eine diffuse Verwachsung mit der Umgebung.

Mikroskopisch:

Das Präparat zeigte ein relativ zelldichtes Tumorgewebe mit plump-spindeligen Zellen, fokal waren etwas stärker spindelige Zellelemente in angedeuteten faszikulären Strukturen sowie kleine Areale mit einem storiformen Wuchsmuster vorhanden. Neben sehr zellreichen Arealen kamen auch nur mäßig zelldichte Bezirke mit einem verstärkt kollagenösen Material im Extrazellularraum zur Ansicht. Der Tumor war partienweise relativ gefäßreich und zeigte ein hämangioperizytomartiges Muster, in anderen Arealen waren weniger Gefäße vorhanden. Die Tumorzellen waren CD-34- und bcl-2-positiv, maximal 5 % der Zellkerne reagierten mit Antikörpern gegen das proliferationsassoziierte Ki-67-Antigen. Es waren keine Merkmale ausgebildet, die auf einen aggressiven klinischen Verlauf hinwiesen.

Diagnose: Solitär fibröser Tumor der Orbita

Zusammenfassung:

Solitär fibröse Tumoren (SFT) sind seltene Spindelzelltumore, die erstmals 1931 durch Klemperer und Rubin in der Pleura beschrieben wurden. Extrapleurale Manifestationen sind in Perikard, Peritoneum, Lunge, Leber, oberem Respirationstrakt und Mediastinum beschrieben. Neuere Befundberichte weisen auf das Auftreten in Speicheldrüse, Schilddrüse und Orbita hin (3, 4, 11, 13, 15, 16, 18, 19). Computer- und magnetresonanztomographisch ergeben sich keine spezifischen Charakteristika zur Diskriminierung von anderen gutartigen Orbitatumoren, wobei die angiographisch nachweisbare starke Vaskularisierung des Tumors zur Diagnose eines Angioms fehlleiten kann (8).

Histopathologisch weisen die solitär fibrösen Tumore (SFT) ein morphologisches Spektrum auf, welches sich mit dem anderer Spindelzelltumoren überschneidet. In die histologische Differentialdiagnose sind das Hämangioperizytom, Tumoren der Nervenscheide, das fibröse Histiozytom und Meningeome mit einzubeziehen.
Zu den klassischen Charakteristika gehört der Wechsel hyper- und hypozellulärer Regionen, durchsetzt mit dicken Kollagensträngen. Es finden sich zusätzlich Areale mit auffälligen hirschgeweihartigen Gefäßformationen, wie sie beim Hämangioperizytom zu finden sind. Dieses Nebeneinander hat auch den Begriff „patternless pattern" geprägt. Es besteht regelmäßig ausgepräte CD-34-Positivität (24). Immunhistochemische Nachweise für Vimentin, gelegentlich auch Desmin oder Aktin fallen beim SFT positiv aus. Diagnostische Charakteristika für eine neuronale oder vaskuläre Differenzierung finden sich in der Regel nicht. Elektronenmikroskopische Untersuchungen weisen auf eine fibroblastische Differenzierung hin(5, 6, 7, 25, 26).
Vom Hämangioperizytom unterscheidet sich der solitär fibröse Tumor durch den höheren Kollagenanteil und die Variabilität der Wachstumsmuster (storiform, sklerosierend). Das Unterscheidungsmerkmal von gutartigen Tumoren der Nervenscheide ist das Fehlen von S100-Protein. Im Vergleich zum SFT besteht beim fibrösen Histiozytom ein überwiegend storiformes Wuchsmuster bei geringerer Vaskularität; charakteristischerweise finden sich histiozytäre Riesenzellen. Meningeome sind durch eher syncytiale Zellverbände bzw. spindelförmige Zellanordnungen bei bestehender Immunreaktivität auf EMA (epithelial membrane antigene) und Keratin gekennzeichnet. Für gewöhnlich finden sich Psammon-Körper (5, 21,24).
Verschiedene Theorien existieren zur Histogenese des solitär fibrösen Tumors. Basierend auf ultrastrukturellen und Untersuchungen mittels Zellkultur nahm man ursprünglich einen mesothelialen Ursprung an (12, 20). Der zunehmende Nachweis extrapleuraler Manifestationen des Tumors sowie eine negative Immunreaktivität auf epitheliale Marker macht eine mesotheliale Herkunft unwahrscheinlich (6). Nachweis von Aktin-positiven Arealen und ultrastrukturelle Merkmale weisen nach Ramdial et al. (1996) auf eine myofibroblastische bzw. fibroblastische Herkunft hin. Weiterhin geben die Vimentin- und deutliche CD-34-Reaktivität Hinweise auf einen mesenchymalen Ursprung.
Das CD-34-Antigen wird von Vorläuferzellen des hämatopoietischen Systems und im Gefäßendothel exprimiert. Zu den CD-34 positiven Tumoren gehören neben akuter Leukämie und Gefäßtumoren auch primitive mesenchymale und mesenchymale Spindelzelltumoren (17, 22, 23, 24). In Neurofibromen, Schwannomen und Hämangioperizytomen waren nach Untersuchungen von Westra et al. (1994) gegenüber der generalisierten CD-34-Positivität beim SFT lediglich fokale CD-34-positive Areale nachweisbar. Die Autoren beurteilen somit CD-34 als für das Vorliegen eines SFT verlässlichen und sensitiven Marker, welcher auf Grund der ungenügenden Spezifität in einer Palette immunhistochemischer Ausschlussdiagnostik einzusetzen sei. Immunhistochemische Untersuchungen anderer Arbeitsgruppen weisen den SFT als eine von Fibroblasten oder primitiven mesenchymalen Zellen ausgehende Neubildung mit Merkmalen multidirektionaler Differenzierung aus. So konnte fokale Expression von S100 Protein, Neuron spezifischer Enolase, Zytokeratin oder Progesteron Rezeptoren gezeigt werden (1, 10). Fukunaga et al. (1997) weisen mit ihren Untersuchungen in solitär fibrösen Tumoren die Expression von EMA, Leu7 und saurem Gliafaserprotein nach.

In der Regel handelt es sich beim SFT um einen benignen Befund, kurativ durch Exzision behandelt. Es finden sich jedoch Berichte über Rezidive (5) bei primär in der Pleura lokalisierten Fällen mit Metastasierung und Einbruch in umliegende Gewebe (2, 7). Um eine Aussage über das klinische Verhalten des Tumors in der Kopf- und Halsregion zu treffen, sind jedoch weitere Verlaufsbeobachtungen erforderlich.

Literatur

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