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DOP Originalbeiträge
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen
Lidkolobom mit Dermoidzyste
Frank Tost1, B. Kleist2 und R. Warzok2
Augenklinik1 und Pathologisches Institut2 der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald
Zur Vorgeschichte:
6 - jährige
Patientin mit einer seit der Geburt bekannten isolierten unilateralen
Lidveränderung.
Befund der klinischen
Erstuntersuchung in unserer Klinik 2000
Rechtes
Auge: Unterbrechung der Wimpernreihe im Bereich des Überganges vom
nasalen zum medialen Liddrittel. Umschriebener Substanzdefekt des Oberlides.
Das Gewebedefizit wird teilweise ausgeglichen durch einen hautfarbenen,
nodulären Tumor mit einer Größe von 3 x 4 mm. Augenbraue
und Liddeckfalte erscheinen unauffällig. Das hintere Lidblatt zeigt
im Bereich der Conjunctiva tarsi eine strangförmige Verdickung. Der
Tarsus ist nach proximal verlagert.
Klinische Diagnose:
Lidkolobom in Kombination mit einem kongenitalen Tumor
Ophthalmopathologische
Untersuchungsbefunde
Rechtes
Auge: kompletter Lidanteil im Querschnitt, in den Stufenschnitten zeigen
sich zunächst normale morphologische Lidstrukturen mit
quergestreifter Muskulatur, Anteilen des Lidtarsus und einem flachen mehrschichtigen,
gering endophytisch proliferierenden Epithel, dass in ein nichtverhornendes
mehrschichtiges Schleimhautepithel allmählich übergeht. Es sind
einzelne hyperplastische Talgdrüsen mit ektatischen Ausführungsgängen
erkennbar. Unter der Dermis stellt sich eine Zyste zur dar. Die Zystenwandung
wird von einem mehrschichtigen Epithel gebildet. Anteile von Drüsen,
teilweise mit rupturierter Wandung sind sichtbar. Das Lumen ist mit wenig
Zelldetritus gefüllt. Einzelne Riesenzellen vom Fremdkörpertyp
sind zu beobachten.
Beurteilung:
- inkomplettes Lidkolobom mit kleiner Dermoidzyste, rechts
Diskussion
- Isolierte
Lidkolobome gehören zu den seltenen Fehlbildungen.
- Lidkolobome sind nicht selten kombiniert mit weiteren Fehlbildungen
bspw. Bindehautfalten, Strängen, Dermoiden oder Schädelanomalien.
- Die typische Lokalisation ist das Oberlid im Übergang vom nasalen
zum medialen Liddrittel.
- Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind die Lidkerben im äußeren
Liddrittel bei syndromalen Störungen z.B. der Dysostosis mandibulo-facialis.
- Die nicht seltene Kombination von Dermoidzysten mit embryonalen Spaltbildungen
lässt uns aufgrund der morphologischen Kriterien von einer Dermoidzyste
ausgehen. Hierzu gehören: die Lokalisation unter der Dermis, das
Auftreten von Schweißdrüsen in der epithelialen Wandung. Das
Vorkommen von Fremdkörperriesenzellen ist als Abräumraktion
zu interpretieren. Oft anzutreffende ausdifferenzierte Haarfollikel o.
ä. waren in den beurteilten Stufenschnitten nicht zu beobachten.
- Die histopathologische Differentialdiagnose umfasst neben der Dermoidzyste
folgende Zysten oder zystische Tumoren: Pilomatrixom, Tricholemmzyste,
Epidermoidzyste, Steatocystoma multiplex.
- Tricholemmzyste, Epidermoidzyste, Steatocystoma multiplex liegen gewöhnlicherweise
in der Dermis.
- Nur bei isolierter Beurteilung der mehrschichtigen Epithelwandung mit
Talgdrüsenläppchen wäre die Diagnose Steatocystoma multiplex
daher zu erwägen gewesen. Typische klinische Befunde sind hierbei
multiple Knötchen im Brust- oder Axillarbereich.
- Fehlende "Schattenzellen" schließen das Vorliegen eines
Pilomatrixomes aus.
Literatur
- Doerr, W. (Hrsg.): Spezielle pathologische Anatomie. Histopathologie
der Haut, Bd. 7. Springer, Berlin Heidelberg New York 1979
-
Neubauer, H.: Atypische Lidplastiken im Kindesalter. Klin. Mbl.
Augenheilkd. 167 (1975) 199 - 206
-
Meythaler, H. u. G. Koniszewski: Kolobome der Lider. Fortschr. Ophthalmol.
82 (1985) 391 - 392
-
Tost, F.: Therapiemanagement bei kongenitalen Lidanomalien.
Klin. Mbl. Augenheilkd. 217 (2000) S8, 13 - 14
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Frank
Tost
Augenklinik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Rubenowstraße 2
D - 17487 Greifswald
Tel. 03834 -
865923
Fax 03834 - 865950
eMail: Tost@mail.uni-greifswald.de
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