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DOP Originalbeiträge
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen
Orbitametastase eines lobulär invasiven Mammakarzinoms
Dr.med.Inez Frisch
Universitäts-Augenklinik, Im Neuenheimer Feld 400, D-69120 Heidelberg
Histo.Nr. 24191, Anlage:
1 HE-Schnitt
Vorgeschichte
Im Oktober
2000 stellte sich eine 51 jährige Patientin in unserer Klinik vor,
die vier Monate zuvor während des Schminkens eine derbe, schmerzlose
Schwellung im Bereich der rechten Orbita durch das Oberlid palpiert hatte.
Die Schwellung habe im Verlauf langsam an Größe zugenommen.
Eine Visusminderung, Motilitätseinschränkung oder die Wahrnehmung
von Doppelbildern wurden von der Patientin nicht beschrieben. Lediglich
ein leichtes Druckgefühl im Bereich der Schwellung sei zu verzeichnen.
In der Vorgeschichte bestand im Mai 1999 ein Ileus nach vorangegangenen
Durchfällen, abdominellen Krämpfen und Gewichtsabnahme. Die
daraufhin durchgeführte Darmresektion mit anschließender histologischer
Untersuchung ergab die Diagnose einer intramural gelegenen Metastase eines
Östrogenrezeptor-positiven Mamma-Karzinoms. Die weiterführende
Diagnostik mit anschließender Segmentresektion der linken Brust
ergab die histologische Diagnose eines lobulär-invasiven Karzinoms
(T2,N1,M1). Anschließend erfolgte eine Tamoxifen-Therapie, sowie
eine Chemotherapie kombiniert mit einer intermittierenden Strahlenbehandlung.
Diese war im November 1999 abgeschlossen.
Der Visus betrug bds. 1,0. Tensio, vordere Augenabschnitte und Fundus
waren bds. unauffällig. Insbesondere bestanden weder eine Ptosis
noch ein Exophthalmus. Unterhalb der nasalen oberen Orbitakante des rechten
Auges war zwischen Bulbus und Orbitadach ein etwa kirschkerngroßer,
nicht verschieblicher, derber, rundlicher, palpatorisch gut abgrenzbarer
Tumor tastbar. In der hochauflösenden Ultraschallmikroskopie, fand
sich eine 3.4mm x 2.2 mm messende Struktur mit echoarmen Innenreflex.
Die kraniale Magnetresonanztomographie zeigte nach Kontrastmittelgabe
ein Enhancement des medialen Oberlides mit Verdickung desselben, sowie
eine Vergrößerung der Tränendrüse, welche klinisch
unauffällig war. Der palpatorisch gut abgrenzbare Tumor war im MRT
nicht darstellbar. Radiologisch wurde die Verdachtsdiagnose einer entzündlichen
Veränderung des Oberlides und der Tränendrüse des rechten
Auges, DD Tumorinfiltration gestellt. Wir entschlossen uns zu einer transkutanen
Biopsie durch das Septum orbitale. Intraoperativ fand sich ein infiltrierend
wachsender weißlich derber Tumor, der sich bis zum M. levator palpebrae
fortsetzte und fest mit dem knöchernen oberen Orbitadach verwachsen
war. Der Tumor ließ sich bis zum inneren Lidbändchen verfolgen.
Die ursprünglich geplante Entfernung des Tumors in toto war nicht
möglich.
Histologischer
Befund
Zur histologischen
Untersuchung gelangten drei Präparate der Ausmaße 0,5x0,5mm,
1,2x1,2mm, sowie 7,0x5,0x2,5mm. Die Präparate wurden zusammen eingebettet
und nach HE und PAS gefärbt. Im Schnitt findet sich gefäßführendes
kollagenes Bindegewebe ohne natürliche Oberflächendeckung. Es
handelt sich um orbitales Fettgwebe sowie Anschnitte von quergestreifter
Muskulatur. Auffallend sind Anteile eines malignen epithelialen Tumors,
bestehend aus überwiegend soliden und z.T. kettenartig (Indian file
pattern) gruppierten mittelgroßen Zellen mit hyperchromatischen
Zellkernen, die abschnittsweise siegelringzellartig differenziert sind
und die quergestreifte Muskulatur infiltrieren.
Es handelt sich somit um Anteile eines solide gebauten und teils siegelringzellartig
differenzierten Karzinoms, am ehesten passend zu Metastasen des klinisch
bekannten lobulär invasiven Mammakarzinoms. Immunhistochemisch zeigten
die Tumorzellen eine positive Reaktion auf Östrogen- und Progesteron-Antikörper.
Reaktionen mit mono- und polyklonalen HER/2-neu-Antikörpern verliefen
negativ. Hierbei handelt es sich um die semiquantitativ immunhistochemische
Betimmung der Expression eines speziellen Onkogens im Brustgewebe. Histologisch
liegen also metastatische Absiedelungen eines Hormonrezeptor-positiven
und HER/2-neu-negativen lobulär invasiven Mammakarzinoms des rechtsseitigen
Orbitadaches vor. Die Histologie des Orbitagewebes entspricht dem histologischen
Befund des Mammagewebes und des Darmes.

Kommentar
Orbitale
Metastasen werden in der Literatur als selten angesehen. Nach Char et
al. zeigen lediglich 6% (36 von 612) der orbitalen Biopsien bei Patienten
mit Verdacht auf ein Neoplasma einen Tumor metastatischen Ursprungs. Metastasen
müssen dennoch als Differentialdiagnose bei Patienten mit Orbitaaffektion
herangezogen werden. In einer Studie mit 35 Patienten mit orbitalen Metastasen
bestand bei 18 Patienten ein Mammakarzinom als Primärtumor. Die am
häufigsten beschriebenen Symptome orbitaler Metastasen sind Diplopie
und Exophthalmus, gefolgt von Schmerzen, Blepharoptosis, konjunktivaler
Injektion, Lidödemen, Epiphora und Visusminderung. Eine lediglich
tastbare Resistenz ohne weitere Symptome wie bei der vorgestellten Patientin
ist eine verhältnismäßig untypische Erstmanifestation
einer Metastase. Bei unklaren Orbitaprozessessen und Verdacht auf Neoplasma
muß eine Biopsie erfolgen, da die histopathologische Untersuchung
von orbitalem Gewebe der einzige Weg ist, die definitive Diagnose zu stellen.
Diagnostisch hilfreich sind zusätzlich Ultraschall, MRT und CT. Die
Angaben bezüglich der Inzidenz von Orbitametastasen sind schwankend,
zumal die Diagnose einer orbitalen Metastase in 26-50% der Fälle
unerwartet ist.2, Autopsiestudien von Patienten mit bekanntem Brustkrebs
ergaben eine Inzidenz bezüglich einer Augenbeteiligung von 8-34%
, , wobei die Inzidenz einer bilateralen Beteiligung bei 8-30% liegt.
, Entsprechend den Veröffentlichungen der American Cancer Society
(1988) waren in den USA etwa 11000 Frauen im Jahr 1988 von okulären
Metastasen bei Mammacarcinom betroffen. Hierbei handelte es sich überwiegend
um Aderhautmetastasen. Das Verhältnis choroidaler zu orbitalen Metastasen
wird mit 8:1 angegeben. Allgemein sind metastasierende Adenokarzinome
die häufigsten malignen Tumoren, die intraokular bzw. in die Orbita
metastasieren. Häufigster Primärtumor hierbei ist das Mammakarzinom
gefolgt von Lungen- und kolorektalen Karzinomen.
Mammakarzinome werden nach Ackermann unterteilt in duktale, lobuläre,
gemischte, unbestimmbare und andere sehr seltene Formen. Toller faßte
mehrere Studien und Fallbeschreibungen mit insgesamt 180 Patienten mit
Orbitametastasen eines Mammakarzinoms zusammen. Von diesen Patienten wurde
bei lediglich 54 entweder der orbitale oder der Mammabefund histologisch
subtypisiert. Von 54 Patienten hatten neun ein invasiv duktales, fünf
ein invasiv lobuläres, fünf ein szirrhöses und 35 ein anaplastisches
Mammakarzinom.4 Das hier vorliegende lobulär invasive Siegelringkarzinom
ist entsprechend als selten anzusehen. Die histologische Präsentation
des Tumors in der Orbita entspricht dem Primärtumor und der bereits
bekannten Darm-Metastase.
Allgemein gilt die Prognose bei orbitalen oder choroidalen Metastasen
als schlecht. Die mittlere Überlebenszeit nach Diagnosestellung bezüglich
der okulären Metastase beträgt nach Freedman et al. 21-26 Monate.
In Einzelfällen beträgt der Nachbeobachtungszeitaum sogar 10
Jahre. 2 Nach Char et al. liegt die mittlere Überlebenszeit bei orbitalen
Metastasen allgemein bei 1,3 Jahren, 27% der Patienten haben eine Überlebenszeit
von zwei Jahren, unabhängig davon, ob ein Primärtumor gefunden
wurde oder nicht. Nach Ratanatharathorn et al. beträgt die mittlere
Überlebenszeit nur zwei Monate (0 bis 29 Monate) bei einem Kollektiv
von elf Patienten. Hierbei überleben Patienten mit choroidalen Metastase
in der Regel länger als Patienten mit orbitalen Metastasen.11 Im
Gegesatz hierzu beschreiben Font et al. eine längere Überlebenszeit
bei orbitalen Metastasen.3
Die Therapie orbitaler Mammakarzinom-Metastasen ist schwierig. Bei einem
lobulär invasiven Mammakarzinom und seinen Metastasen gibt es im
Prinzip folgende Therapiemöglichkeiten: Eine operative Entfernung
des Tumors, eine Chemotherapie, sowie die Bestrahlung.
Bei der Patientin wurden im Rahmen des Staging keine weiteren Metastasen
gefunden. Daher kam eine Radiatio der Orbita in Frage. Die Patientin entschied
sich in dieser speziellen Situtaion letztlich für die erneute Chemotherapie.
Literatur
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Br J Ophthalmol 1997; 81:386-90
- Shields CL, Shields JA, Peggs M. Metastatic tumors to the orbit. Ophthal
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clinicopathologic study of 28 cases metastaic to the orbit. Cancer 1976;38:1326-1335
- Toller KK, Gigantelli JW, Spalding MJ. Bilateral Orbital metastasis
from Breast Carcinoma. A case of false pseudotumor. Ophthalmology 1998;105:1887-1901
- Tijl J, Koorneef L, Eijpe A, et al. Metastatic tumors to the orbit -
management and prognosis. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 1992;230:527-30
- Bloch R, Gartner S. The incidence of ocular metastatic carcinoma. Arch
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- Nelson C, Hertzberg B, Klintworth G. A histopathologic study of 716
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- Mombaerts I, Goldschmeding R, Schlingemann RO, Koorneef L. What is orbital
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- American Cancer Society Cancer facts and figures: 1988. New York: American
Cancer Society, 1988:6-10
- Ratanatharathorn V, Powers WE, Grimm J, et al. Eye metastasis from carcinoma
of the breast diagnosis radiation treatment and results. Cancer treat
Rev 1991;18:261-76
- Freedman MI, Folk JC. Metastatic tumors to the eye and orbit. Arch Ophthalmol.
1987;105:1215-19
- Rosai J, Ackerman´s Surgical Pathology, 8th ed. St. Louis:Mosby,
1996; v.2, chap.20
- Furuno K, Asaga T, Uchiyama M, Shimizu A, Ueda A, Wakakura M. Orbital
and stomach metastasis from invasive lobular breast carcinoma. Nippon
Ganka Gakkai Zasshi 1998;102:135-41
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