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DOP Originalbeiträge
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen
Invasives Plattenepithelcarcinom der Bindehaut
bei Neurodermitis
C. Heinz, F. Fanihagh, K.-P. Steuhl
Essen
Anamnese:
Ein 59jähriger Patient stellte sich in unserer Klinik mit einer
chronischen Konjunktivitis an beiden Augen vor, nachdem sich innerhalb
weniger Wochen der Befund mit einer therapierefraktären, zähflüssigen
Sekretion verschlechtert hatte. Das geringer beeinträchtigte linke
Auge war schielamblyop, ophthalmologische Vorerkrankungen bestanden ansonsten
nicht. Allgemeinanamnestisch bestand lediglich seit dem neunten Lebensmonat
eine ausgeprägte Neurodermitis. Spaltlampenmikroskopisch fand sich
an beiden Augen eine fornixständige Verdickung der Konjunktiva, die
rechts (Abb.1) stärker als links ausgebildet war, sowie eine beginnende
Symblepharonbildung am rechten Auge. Wir führten daher an beiden
Augen eine diagnostische Biopsie durch.
Makroskopischer
Befund:
RA: 1,4x0,5x0,4 cm messendes rötliches Gewebestück.
LA: 1,2x0,5x0,3 cm messendes rötliches Gewebestück.
Mikroskopischer
Befund:
RA: Mikroskopisch findet sich ein geschichtetes, deutlich verbreitertes
Plattenepithel mit Interzellularbrücken. Intraepithelial fallen Dyskeratosen
auf, basal finden sich Epithelien mit vergrösserten Zellkernen sowie
vermehrt Mitosen. Die Basalmembran durchbrechend zeigt sich ein beginnend
infiltrierendes Wachstum der atypischen Plattenepithelverbände (Abb.
2).
LA: Mikroskopisch findet sich ein deutlich verbreitertes Plattenepithel.
Die Basalmembran ist intakt ohne Hinweis auf ein infiltrierendes Wachstum.
Dyskeratosen sind jedoch zuerkennen. Weiterhin fallen Schichtungsunruhen
des Epithels und vergrösserte Zellkerne auf.
Mikroskopische Diagnose:
RA: invasives, gut differenziertes, nicht-verhornendes Plattenepithelcarcinom
LA: Plattenepitheldysplasie
Kommentar:
Das Plattenepithelcarcinom der Bindehaut ist der häufigste maligne
konjunktivale Tumor [1] meistens in der Lidspalte lokalisiert [2]. Es
finden sich dagegen nur wenige Berichte über einen palpebralen konjunktivalen
Ursprung [3, 4]. Als Ursache werden UV Strahlung, Nikotinabusus, helles
Haar, okuläre Pigmentierung sowie Infektionen mit humanem Papillomavirus
(HPV) insbesondere mit HPV 16 und 18, angesehen [5-7]. Ebenfalls findet
sich eine Infektion mit HPV 16 und 18 gehäuft bei Patienten mit AIDS,
bei denen auch eine vermehrtes Auftreten von konjunktivalen Plattenepithelcarcinomen
beschrieben ist [8]. Zwei Fälle eines Plattenepithelcarcinoms sind
in der Literatur unter Immunsuppression mit Cyclosporin A bei erfolgter
Nierentransplantation beschrieben worden [5]. Beschreibungen im Zusammenhang
mit einer Neurodermitis lassen sich nicht finden. Dieser Fall zeigt, dass
bei länger bestehenden therapieresistenten konjunktivalen Veränderungen
eine Biopsie zur diagnostischen Klärung beiträgt [9].
Literatur
- Grossniklaus, H.E., et al., Conjunctival lesions in adults. A
clinical and histopathologic review. Cornea, 1987. 6(2): p. 78-116.
- McLean, I.W., M.N. Burnier, and L.E. Zimmerman, Tumors of the eye
and ocular adnexa, . 1994, Armed Forces Institute of Pathology: Washington
DC. p. 60-5.
- Goldberg, S.H., D.K. Riedy, and J.H. Lanzillo, Invasive squamous
cell carcinoma of the palpebral conjunctiva. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol,
1993. 231(4): p. 246-8.
- Blodi, F.C., Squamous cell carcinoma of the conjunctiva. Doc Ophthalmol,
1973. 34(1): p. 93-108.
- Macarez, R., et al., Conjunctival epithelial neoplasias in organ
transplant patients receiving cyclosporine therapy. Cornea, 1999. 18(4):
p. 495-7.
- Odrich, M.G., et al., A spectrum of bilateral squamous conjunctival
tumors associated with human papillomavirus type 16. Ophthalmology,
1991. 98(5): p. 628-35.
- Lauer, S.A., J.S. Malter, and J.R. Meier, Human papillomavirus type
18 in conjunctival intraepithelial neoplasia. Am J Ophthalmol, 1990.
110(1): p. 23-7.
- Newton, R., et al., A case-control study of human immunodeficiency
virus infection and cancer in adults and children residing in Kampala,
Uganda. Int J Cancer, 2001. 92(5): p. 622-7.
- Tunc, M., et al., Intraepithelial and invasive squamous cell carcinoma
of the conjunctiva: analysis of 60 cases. Br J Ophthalmol, 1999. 83(1):
p. 98-103.
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