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DOP Originalbeiträge
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen
Verdacht auf noduläre Salzmann-Degeneration der
Hornhaut
Th. Hammer
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Magdeburger
Str. 8, 06097 Halle/Saale
Patient: D. B., geb.
29.10.1939
Anamnese:
Im Januar 2000 stellte sich ein 60jähriger Patient in unserer Augenklinik
mit zunehmender Visusminderung auf dem rechten Auge vor. Anamnestisch
gab er eine Hornhauttrübung rechts mehr als links seit den 60er Jahren
an. 1999 sei er wegen einer Keratitis auf dem rechten Auge behandelt worden.
Klinischer Befund:
Die Hornhaut des rechten Auges wies zentrale subepitheliale weißlich-gelbliche
Massen auf. Die übrige Hornhaut erschien etwas diffus und fleckförmig
getrübt. Das Hornhautrandschlingennetz war in der oberen Zirkumferenz
etwas vorgeschoben. Die Vorderkammer war insbesondere temporal flach.
Soweit durch den Hornhautbefund möglich erschien es intraokular reizfrei.
Der Befund auf dem linken Auge ähnelte dem des rechten, die zentralen
Trübungen und die Katarakt waren jedoch weniger fortgeschritten.
Der Visus betrug rechts: Handbewegungen und links: 1/18 mit Korrektur
(-2,5 c A 50°) 1/12. Der Augeninnendruck war normoton. Es wurde die
Verdachtsdiagnose einer nodulären Salzmann-Degeneration gestellt.
Im Februar 2001 wurde eine Triple procedure auf dem rechten Auge durchgeführt.
Das entnommene Hornhautscheibchen wurde histologisch aufgearbeitet. Der
postoperative Visus betrug nach vier Monaten 0,2.

Makroskopischer
Befund:
Hornhautscheibchen mit 8 mm Durchmesser und zentraler scharf begrenzter
5 x 2 mm großer weißlicher Trübung.
Mikroskopischer
Befund:
Das Hornhautepithel ist unregelmäßig verdickt und verdünnt.
Im zentralen Anteil der Hornhaut ist unmittelbar subepithelial eine amorphe
eosinophile Masse erkennbar mit stellenweisen basophilen Anteilen. Eine
Bowman-Lamelle ist nicht erkennbar. Zwischen den Hornhautlamellen des
Stromas sind sowohl zentral als auch peripher, oberflächig und tief
gelegene schwach basophile Ablagerungen erkennbar, welche PAS positiv
reagieren. Dieses intrastromalen Ablagerungen lassen sich auch in der
Färbung auf saure Mukopolysaccharide (AMP) deutlich blau darstellen.
Die subepithelialen Anteile reagieren nur schwach in der AMP-Färbung.
Die Färbungen auf Masson und Kongorot zeigen keine Reaktion, die
Färbung nach v. Kossa ist im Bereich der subepithelialen Ablagerungen
stellenweise positiv. Die Descemet-Membran ist intakt und das Hornhautendothel
weist eine Zelldichte von ca. 15 Endothelzellen / 400facher Vergrößerung
auf.
Diagnose:
Makuläre Hornhautdystrophie mit nodulärer Salzmann-Degeneration
Diskussion:
Die makuläre Hornhautdystrophie mit dem autosomal-rezessiven Erbgang
ist unter den klassischen Dystrophien der Hornhaut die wohl seltenste.1
Erstmals wurde sie durch GROENOW 1890 und später dann von FUCHS 1901
beschrieben. Anfänglich sind dabei zentrale subepitheliale Hornhautpartien
betroffen. Im weiterer Verlauf konfluieren die Ablagerungen dann vorwiegend
unter dem zentralen Epithel. Bereits im Jugendalter ist ein schneller
Abfall der Sehschärfe zu bemerken. Insgesamt sind alle Stromaschichten
bis an die Descemet-Membran heran betroffen. Das klinische Bild ist auch
durch rezidivierende Epithelaufbrüche mit der klassischen Trias aus
Photophobie, Epiphora, Blepharospasmus charakterisiert.
Die Therapie der Wahl stellt die perforierende Keratoplastik dar. Aber
auch dabei besteht die Gefahr von Rezidiven, welche auch noch nach Jahrzehnten
auftreten können.
Histologische Charakteristika sind PAS-positive Ablagerungen zwischen
den Hornhautlamellen sowie die Anreicherung von Glykosaminoglykanen (anfärbbar
mit PAS, Alzian-Blau, kolloidaler Eisenfärbung). Bei elektronenmikroskopischen
Untersuchungen sind Glykosaminoglykane innerhalb zytoplasmatischer Vakuolen
erkennbar. Die Genese beruht auf der abnormen Synthese von Keratansulfatproteoglykan,
mit Funktionsdefizit einer Sulfotransferase, die für die Sulfatierung
von Laktosaminoglykanen verantwortlich ist.2
Bei Patienten mit
der klinischen Diagnose einer nodulären Salzmann-Degeneration findet
sich in der Anamnese oft der Hinweis auf entzündliche Hornhautveränderungen,
wie z.B. chronische Keratitis oder Keratitis phlyctaenulosa. Das durchschnittliche
Alter der Patienten beträgt 38 Jahre.1 Die Genese der klinisch als
weißlich-gelbliche Massen imponierenden Hornhautveränderungen
wird unterschiedlich diskutiert. Vannas et al. weist in Untersuchungen
an insgesamt 11 Augen mit nodulärer Salzmann-Degeneration darauf
hin, dass auch in Bereichen ohne darunter liegende noduläre Veränderungen
das Epithel degenerative Reaktionen aufweist. Daraus wird geschlossen,
dass stromale Einflüsse als alleinige Ursache eher unwahrscheinlich
sind.3
Therapeutisch kommen je nach dem Grad der Ausprägung verschiedene
Behandlungsoptionen in Betracht. Die oberflächlichen Veränderungen
können mit dem Excimer-Laser im Rahmen einer phototherapeutischen
Keratektomie (PTK) entfernt werden.4 Bei weiter fortgeschrittenen Befunden
ist eine lamelläre oder perforierende Keratoplastik die Therapie
der Wahl. Dabei können in der postoperativen Nachbetreuung Rezidive
auftreten.5, 6
Unserer Meinung nach
ist bei dem hier gezeigten Fall davon auszugehen, dass durch die makuläre
Hornhautdystrophie und die damit einhergehenden Oberflächendefekte
zur Entstehung einer nodulären Salzmann-Degeneration der Hornhaut
gekommen ist. Differentialdiagnostisch wäre aufgrund der nachgewiesenen
fokalen Kalzifizierungen auch eine sekundäre bandförmige Hornhautdegeneration
in Erwägung zu ziehen.
Literatur
- Thiel H.-J. Hornhaut-Dystrophien. In: Holbach LM, Hinzpeter EN,
Naumann GOH. Kornea und Sklera. In: Naumann GOH. Pathologie des Auges.
Berlin: Springer Verlag, 1997, 2. Auflage
- Edward DP, Thonar EJ, Srinivasan M, Yue BJ, Tso MO: Macular dystrophie
of the cornea. A systemic disorder of keratan sulfate metabolism. Ophthalmology
1990 (97) 1194-1200
- Vannas A, Hogan MJ, Wood I: Salzmann's nodular degeneration of the
cornea. Am J Ophthalmol 1975 (79) 211-219
- Zuckerman SJ, Aquavella JV, Park SB: Analysis of the efficacy and
safety of excimer laser PTK in the treatment of corneal disease. Cornea
1996 (15) 9-14
- Houber JP: Reccurrent bilateral nodular degeneration of Salzmann
after grafting of a perforated cornea. Ophthalmologica 1970 (161) 90-97
- Severin M, Kirchhof B: Recurrent Salzmann's corneal degeneration.
Graefe's Arch Clin Exp Ophthalmol 1990 (228) 101-104
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