DOP Originalbeiträge
      
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen

Diffuse Irisinfiltration durch ein metastasiertes Mammacarcinom der Frau

Kroher G.1, Lohmann C.P.1, Knüchel R.2, Spiegel D.1


1 Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universität Regensburg
2 Institut für Pathologie der Universität Regensburg, Franz Josef Strauß Allee 11, 93042 Regensburg


Fallbeschreibung
Eine 67-jährige Patientin stellte sich mit seit einer Woche bestehenden Schmerzen, Druckgefühl und Sehverschlechterung am rechten Auge vor. Die ophthalmologische Untersuchung ergab einen Augeninnendruck rechts von 50mmHg, links 10mmHg. Der bestkorrigierte Visus war rechts 0.5, links aufgrund einer Amblyopie nur 0.3. Der Spaltlampenbefund zeigte rechts eine mittelweite, an mehreren Stellen verzogene Pupille, sowie atypische Irisgefäße und auffällige, weißliche Veränderungen in mehreren Bereichen der Iris. Gonioskopisch war der Kammerwinkel z.T. synechiert. Am Fundus des selben Auges war am temporal unteren Gefäßbogen ein Aderhautnävus erkennbar. Vorder- und Hinterabschnitt links waren altersentsprechend und unauffällig.

Anamnestisch war bei der Patientin vier Jahre zuvor eine modifizierte radikale Mastektomie rechts mit Axilladissektion aufgrund eines invasiven, duktalen östrogenhormonrezeptorpositiven Mammacarcinom durchgeführt worden. Im Anschluß daran erfolgte eine Chemotherapie. Nach drei Jahren traten eine Lymphangiosis carcinomatosa der Lunge sowie Metastasen in Bereich von Sternum, LWK 4 und Os sacrum auf. Durch erneute Chemotherapie und fraktionierte Bestrahlungen konnte der Zustand der Patientin stabilisiert werden und eine Dauertherapie mit Letrozol-Tabletten (Femara®) wurde eingeleitet.

Zur Diagnosesicherung des unklaren Irisbefundes wurde eine Irisbiopsie durchgeführt und ein 0.2x0.1x0.1cm großes Gewebsstück entnommen. Die lichtmikroskopische Untersuchung ergab eine dichte Infiltration des Irisstroma und des M. dilatator pupillae durch polymorphe Zellen, teilweise wiesen diese Zellen ausgeprägt "schaumiges" Zytoplasma auf. Anhand von immunhistochemischen Färbungen konnte das Vorhandensein Östrogenrezeptoren gezeigt werden. Die Proliferationsfraktion betrug ca. 5%. Die Zellen waren negativ für HMB45. Die Diagnose lautete östrogenrezeptorpositive Irismetastase bei metastasierendem Mammacarcinom.
Verlauf: Eine fraktionierte perkutane Radiotherapie der Iris wurde eingeleitet, nachdem zuvor durch ein ausführliches Staging weitere neue Metastasen ausgeschlossen worden waren. Trotz maximaler antiglaukomatöser Therapie war der Augeninnendruck nicht zu regulieren, der Visus verschlechterte sich auf 0.1. Nach Abschluß der Radiatio wurde eine Cyclophotokoagulation erforderlich.
Da im Verlauf der Radiatio der Irismetastase ein metastasenverdächtiges Areal in Bereich der Aderhaut auffiel, wurde die Bestrahlung entsprechend modifiziert und der hintere Augenpol mit bestrahlt.
Auch war die Patientin während der Therapie zunehmend psychisch auffällig. Der Tumormarker Ca 15-3 stieg von ursprünglich 88.8 U/ml auf 299 U/ml. Die erneute Liquorpunktion und cerebrale Kernspintomographie ergaben das Bild einer Meningiosis carcinomatosa. Eine intrathekale Methotrexattherapie wurde eingeleitet, weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen hat die Patientin abgelehnt.

Diskussion
Die Carcinommetastase ist der häufigste maligne intraokulare Tumor. Meist handelt es sich um Metastasen der Aderhaut, nur ca. 8-9% der intraokularen Metastasen sind in der Iris lokalisiert (1,2). Das Mammacarcinom der Frau ist dabei der häufigste Primärtumor, seltener sind Lungencarcinom, Carcinoidtumor und malignes Melanom der Haut. Irismetastasen des Mammacarcinom treten überwiegend unilateral auf und können in ca. 30 bis 40% durch Infiltration des Trabekelwerkes ein Sekundärglaukom verursachen, in der überwiegend Zahl der Fälle bleiben sie aber symptomlos (4,2). Sie sind als gelb-weißliche Knötchen auf der Iris während der Spaltlampenuntersuchung erkennbar (2), eine diffuse Infiltration an mehreren Stellen, wie in unserem Fall, ist ungewöhnlich. Irismetastasen, wie auch die Ziliarkörper- und Aderhautmetastasen treten meist auf, wenn die Mammacarcinomerkrankung bereits fortgeschritten ist und die Filialisierung schon mehrere Organsysteme betroffen hat (4). Die mediane Überlebensrate wird daher von der Grunderkrankung bestimmt. Intraokulare Metastasen können der intracerbralen Metastasierung vorausgehen.
Als Therapie der Irismetastasen steht die perkutane Strahlentherapie, eventuell kombiniert mit einer Chemotherapie zur Verfügung (1). Die Visusprognose ist im allgemeinem als gut einzustufen, in unserem Fall kam es allerdings durch das therapeutisch nicht beherrschbare Sekundärglaukom zu einer erheblichen Sehverschlechterung.

Schlussfolgerung Im vorgestellten Fall kam es durch die ungewöhnliche diffuse Irisinfiltration bei metastasiertem Mammacarcinom mit wahrscheinlicher Infiltration des Trabekelwerkes zu einem medikamentös nicht regulierbarem Sekudärglaukom. Bei einem erhöhten Augeninnendruck und Mammacarcinom in der Vorgeschichte muß an eine Infiltration der Iris gedacht werden.


Literatur

  1. Metastatic tumors to the iris in 40 patients. Shields JA, Shields CL, Kiratli H, de Potter P. Am J Ophthalmol 1995; 119(4):422-30
  2. Survey of 520 eyes with uveal metastases. Shields CL, Shields JA, Gross NE, Schwartz GP, Lally SE. Ophthalmology 1997; 104(8):1265-76
  3. Secondary glaucoma caused by iris tumor. Iris metastasis of adenocarcinoma of the breast. Hoche A, Blum M, Semeniuk C, Lorenz P, Kosmehl H, Stroebel J. Ophthalmologe 1999; 96(5):342-3
  4. Intraokulare Metastasen bei metastasiertem Mammakarzinom der Frau. Kreusel KM, Wiegel T, Strange M, Bornfeld N, Foerster MH. Ophthalmologe 2000; 97(5):342-6

Zur vorhergehenden Seite