DOP Originalbeiträge
      
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen

Posteriore Pseudometaplasie des Linsenepithels in phaken Augen nach pars-plana Vitrektomie mit Silikonölinstallation

Dr. M. J. Jakobczyk-Zmija

Universitäts-Augenklinik, Prittwitzstrasse 43, D-89075 Ulm


Einleitung
Heutzutage ist eine intravitreale Silikonölinstallation ein Standardverfahren in der Behandlung komplizierter Netzhautablösungen. Als Komplikation nach Silikonölinstallation wurden in der Literatur neben intraokulärer Druckerhöhung, Keratopathie und sekundären Netzhautveränderungen verschiedene Kataraktformen beschrieben. Wir berichten über eine Variante der hinteren subcapsulären Linsentrübung nach pars-plana-Vitrektomie mit Silikonölinstallation.

Patientendaten
Wir untersuchten 8 Patienten. Der Durchschnittsalter lag bei 37,5 J. (25J.-78J.) Die Silikonöltamponade befand sich im Durchschnitt 13,8 Monate (11M.-24M.) im Glaskörperraum.

Mikroskopischer Befund
Die chirurgisch entfernte hintere Linsenkapsel wurde lichtmikroskopisch (Hämatoxylin & Eosin, Periodic acid-Schiff, immunhistologische Untersuchung auf Kollagen I-IV und VI) und elektronenmikroskopisch untersucht. In der lichtmikroskopischen Untersuchung zeigte sich bei allen Präparaten eine PAS-positive Basalmembran (Linsenkapsel) assoziiert mit einem dichten fibrozellulären Gewebeverband. Dieser Gewebeverband bestand aus spindelförmigen Zellen, die von einer Basalmembranschicht umgeben waren. Diese Basalmembran war mit Kollagenlamellen

(Kollagen I-IV und VI) assoziiert. In der elektronenmikroskopischen Untersuchung wurden keine Desmosomen und keine andere Zellverbindungen gesehen. Um die Pseudofibroblasten herum zeigten sich zahlreiche Kollagenlamellen. In dem Zellzytoplasma sahen wir zahlreiche freie Ribosomen und rauhes endoplasmatisches Reticulum.

Diagnose
Posteriore Pseudometaplasie des Linsenepithels bei Z. n. Silikonölinstillation in phaken Augen

Diskussion
Die Ursache der Linsenepithelzellwanderung über den Äquator nach Silikonölinstallation und deren spätere Umwandlung in die Pseudofibroblasten ist schwierig zu erklären. Es werden mechanische, traumatische und toxische Einflüsse des Silikonöls auf die Linsenepithelzellen postuliert (2,3,4,5,9,10,12,14). Klinische Untersuchungen haben gezeigt, daß Silikonölinstallation fast immer zur Kataraktbildung führt (1,2,4,8). Die Vielfalt von Kataraktformen nach Silikonölinstallation in phaken Augen erstreckt sich von Kernkatarakt bis hin zur hinteren subcapsulären Linsentrübung. Bei der letzteren Kataraktform werden verschiedene Entstehungsmechanismen postuliert. Eine Hypothese besagt, daß die veränderte Linsenepithelzellmigrationsfähigkeit über den Äquator hinaus und deren Umwandlung in Pseudofibroblasten mit Fähigkeit zur Kollagenbildung mit den veränderten metabolischen Verhältnissen zusammenhängt. Ähnliches wurde vom Borislav postuliert (2). Er beschreibt die Silikonölkatarakt als eine Form der Malnutrition der Linsenepithelzellen, welche dann in der anaeroben Glykolyse resultiert. Ein ähnliches Mechanismus wird in der Entwicklung der anterioren fibrösen Pseudometaplasie, die sich unter hinteren Synechien entwickelt, postuliert. Das darunter liegende Linsenepithel wird aufgrund der hinteren Synechien schlecht mit Sauerstoff und Nährstoffen bei mangelnder Zirkulation des Kammerwassers, versorgt. Dies resultiert in der Ausbildung der anterioren fibrösen Pseudometaplasie.


Literatur

  1. Ando F. Usefulness and limit of silicone in managment of complicated retinal detachment. Jpn J Ophthalmol 1987;31:138-146
  2. Borislav D. Cataract after silicone oil implantation. Doc Ophthalmol 1993;83:79-82
  3. Casswell AG, Gregor ZJ. Silicone oil removal. I The effect on the complications of silicone oil. Br J Ophthalmol 1987; 71:893-897
  4. Chan C, Okun E. The question of ocular tolerance to intravitreal liquid silicone. Ophthalmology 1986;93:651-660
  5. Cibis PA, Becker B, Okun E. The use of liquid silicone in retinal detachment surgery. Arch ophthalmol 1962;68:590-599
  6. McDonnel PJ, Zarbin MA, Green WR. Posterior capsule opacification in pseudophakic eyes. Ophthalmology. 1984; 90:1548-1553.
  7. Eshaghian J, Streeten BW. Human posterior subcapsular cataract. An ultrastructural study of the posteriorly migrated cells. Arch Ophthalmol. 1980; 96:134-143.
  8. Federman JL, Schubert HD. Complikations associated with the use the of silicone oil in 150 eyes after retinal-vitreus surgery. Ophthalmology1988;95:870-876
  9. LaquaH, LuckeK, Förster M. Results of silikone oil surgery. Jpn J Ophthalmol 1987;31:124-131
  10. Leaver PK, Grey RHB, Garner A. Silicone oil injection in the treatment of massivepreretinal retraction: I Late complication in 93 eyes. Br J Ophthalmol 1979;63:361-367
  11. Olivero DK, Furcht LT. Type IV collagen, laminin and fibronectin promote the adhesion and migration of rabbit lens epithelial cells in vivo. Invest Ophthalmol Vis Sci. 1993; 34:2825-2834
  12. Scott JD. Lens changes in retinal detachment. Trans Ophthalmol Soc UK 1979;99:241-243
  13. Streeten BW, Eshaghian J. Human posterior subcapsular cataract: A gross and flat preparation study. Arch Ophthalmol. 1978; 96:1653-1658.
  14. Yamasaki A, Nagata M, Takagi S, Tamai A. Time-course of lens opacity and morphological changes in rabbit lens epithelial cells after intravitreal silicone oil injektion. Jpn J Ophthalmol 1994;38:116-122



Zur vorhergehenden Seite