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DOP Originalbeiträge
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen
Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen
Anaplastisches Meningeom der Orbita
PD Dr. Kathrin Geiger
Neurologisches Institut (Edinger-Institut), Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Deutschordenstr. 46, D-60528 Frankfurt am Main
Vorgeschichte
und Aufnahmebefund:
67jähriger Patient (P. N. E 471/01), seit mehreren Jahren rezidivierenden
Kopfschmerzen, vor 2 Jahren OP eines Keilbeinflügelmeningeoms mit
Rezidiv vor einem Jahr. damalige Diagnose: atypisches Meningeom WHO Grad
II. Jetzt Protrusio Bulbi und Schwellung der Lider ipsilateral, langsam
zunehmend seit 4 Monaten, allmähliche Visusminderung auf 0,05 innerhalb
von 3 Monaten. Gesichtsfeld nicht mehr durchführbar. Im CCT weichteildichter
Tumor im Bereich des früheren Operationsgebietes mit Arrosion der
umgebenden Knochen, einschließlich des ipsilateralen Orbitabodens,
Ausdehnung des Tumors in die Kieferhöhle und in die Siebbeinzellen.
Histologischer
Befund:
Es handelt sich um einen Pleomorphen Tumor unterschiedlicher Zelldichte.
Fokal ist ein Meningeiom-typisches Wachstumsmuster in rundlichen Formationen
und Wirbeln erkennbar. In diesen Bereichen sind die Tuorzellen wenig pleomorph,
die Zellkerne rundlich bis oval, stellenweise mit Chromatinirregularitäten
und Nukleolen, stellenweise fallen auch Lochkerne auf. Daneben finden
sich zahlreiche Mitosen ( 4-6 pro Gesichtsfeld bei 40-facher Vergrößerung).
Daneben gibt es deutlich pleomorphere Areale mit fischgrätartigen
Tumorzügen und spindelförmigen Zellkernen sowie zahreichen Mitosen.
Kleine ballenförmige Tumoranteile finden sich in der gesamten Orbita
disseminiert verteilt, die hinteren Optikusabschnitte sind ummauert, Tumoranteile,
die fokal eingeblutet sind finden sich auch zwischen den Faszikeln der
lateralen Augenmuskeln. Der Augapfel selbst ist tumorfrei. Fokal fallen
kleine Rundzellinfiltrate und atypische Gefäße mit verbreiterter
Wandung auf. Immunhistochemisch reagiert der Tumor positiv für Vimentin,
EMA, negativ für S100, Desmin und alpha-Actin. der Proliferationsmarker
MIB zeigt eine Proliferationsrate von bis 10% der Tumorzellen.

Abbildungslegende:
E 471/01, Malignes Meningeom der Orbita: H&E, Vergr. Original x 20.
Meningeomtypische Tumorformationen mit rundlichen Zellkernen, die stellenweise
Nucleolen und Chromatinirregularitäten auweisen. Im Zentrum ein Gefäß
mit verbreiterter weitgehend azellulärer Wandung.
Diagnose:
Malignes, anaplastisches Meningeom WHO Grad III der Orbita mit Inflitration
der Nasennebenhöhlen und Ummauerung ders N. opticus.
Kommentar:
Meningeome gehören zu den häufigen intracraniellen Läsionen,
sie machen bis zu 20% der intracranellen Tumoren aus. Die Keilbeinflügelregion
ist ebenfalls relativ häufig betroffen. Ungewöhnlich ist allerdings
die ausgeprägte Malignisierung des Tumor innerhalb von 2 Jahren,
sowie die Ausdehnung mit Wachstum in die Orbita und Ummauerung des Opticus.
Bei den meisten Meningeomen handelt es sich um benigne Tumoren nach WHO
Grad I mit niedriger Wachstumsgeschwindigkeit und relativ geringer Rezdivwahrscheinlichkeit.
WHO Grad II Tumoren werden ebenfalls noch als benigne betrachtet, jedoch
mit höherer Rezidivwahrscheinlichkeit, und kommen deutlich seltener
in dieser Region vor. Kriterien für die Einteilung liegen in Zellpleomorphie,
Zelldichte, Verlust des typischen Wachstumsmusters, Chromatinirregularitäten,
Nukleolen und Mitosen, Invasion in Hirngewebe. Invasion von Knochen und
bindegewebe, stellt kein Malignitätskriterum dar. Das Vorkommen eines
malignen Meningeoms in der Orbita ist eine Rarität.
Literatur
- Kleihues P, Caenee W K. Pathology and Genetics- Tumors of the Nervous
system. 1997, IARC Lyon.
- Kohler GK, Betz H. A sphenoid wing meningeoma with unusual extra-and
intracranial expansion. Med Welt. 1969 Nov 15;46:2536-7.
- Schittkowski M, Hingst V, Stropahl G, Guthoff R. Optic nerve sheath
meningioma with intraocular invasion--a case report. Klin Monatsbl Augenheilkd.
1999 Apr;214(4):251-4.
- Tarkkanen A, Koivuniemi A, Liesmaa M, Merenmies L. Fine-needle aspiration
biopsy in the diagnosis of orbital tumours. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol.
1982;219(4):165-70.
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