DOP Originalbeiträge
XXVI. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
17. und 18. September 1998 in Halle


Irisgranulome als differentialdiagnostisches Merkmal bei Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Karen Faßbender

Augenklinik der Johannes Gutenberg-Universität
Langenbeckstr. 1
55131 Mainz

Anamnese:

1995 bemerkte ein 55-jähriger Patient Schleiersehen, 1996 konsultierte er erstmals einen Augenarzt, 1997 wurde er wegen eines uveitischen Sekundärglau-koms bds. zur Trabekulektomie an die Universitäts-Augenklinik, Mainz überwiesen. Allgemeinerkrankungen: Rektokolektomie wegen Colitis ulcerosa 1975. Zentral-anale Fistel 1976-1981. Seither keine Darmbeschwerden. Keine fieberhaften Erkrankungen, Zeckenbisse und Gelenkbeschwerden. Gutes Allgemeinbefinden. Fraglicher Herpes Zoster ophthalmicus links 1996. Tierhaltung: Nymphensittiche, Hunde. Beruf: Rentner. Hobbys: eigenes Gewächshaus (Sukkulenten aus aller Welt).

Klinischer Ophthalmologischer Befund: Visus: 0,2 rechts; 0,8 links. IOD unter Lokaltherapie: 33 mmHg rechts; 27 mmHg links. Ausgeprägter Glaukomschaden rechts>links. Beidseits: Bindehauthyperämie, Hornhautendothelbeschläge, Tyndall und Zellen(+), Irisstromaatrophie, Pupillarsaumatrophie, Kammerwinkelsynechien, Glaskörperzellen(+), trockene Maculopathie (Pigmentblattdefekte rechts, Pigmentverklumpungen links), disseminierte, periphere, retinale Pigmentblattdefekte und Pigmentverklumpungen. Linkes Auge: Hornhautepithelunruhe und -randinfiltrate. 1998 Entwicklung einer subfovealen SRNV bds. Unauffällige (Labor-) Befunde bezüglich: TPHA, Toxoplasma gondii, Toxocara canis, Histoplasma capsulatum, Coccidioides immitis, Cryptococcus neoformans, Blastomyces dermatitidis, Aspergillus, Borrelia burgdorferi, Herpes simplex I und II, Varicellen, Rheuma-Serologie, ANAs, Röntgen-Thorax, Tine-Test. Auffällige Laborbefunde: BSG 28/40 mm n.W., Fibrinogen 427 mg/dl, ACE 63,9 U/l (Wiederholung: 48 U/l).

Mikroskopischer ophthalmoskopischer Befund: Die bei der Trabekulektomie mit peripherer Iridektomie entnommenen winzigen Irisgewebeproben (2/1997 rechts, 9/1997 links) enthielten jeweils ein epitheloidzelliges Granulom mit vereinzelt Riesenzellen, Lymphozyten und Plasmazellen.

Kommentar:

Die Ursache der granulomatösen Uveitis konnte bislang nicht geklärt werden. Das Vorliegen einer Lues, Tbc, Sarkoidose oder einer Pilzinfektionen ist wegen der mangelnden pulmonalen Beteiligung, des fehlenden serologischen Nachweises und des guten Allgemeinbefindens sehr unwahrscheinlich. Es gibt jedoch Berichte über Uveitiden, die dem Nachweis einer Sarkoidose bis zu 5 Jahre vorausgingen. Eine röntgenologische Thoraxkontrolle ist daher angezeigt. Da eine Colitis ulcerosa in bis zu 10% der Fälle nicht von einem Morbus Crohn zu unterscheiden ist, und ausschließlich letzterer mit extraintestinalen Granulomen, unter anderem in Muskel, Synovia, Bindehaut und Chorioidea einhergehen kann, stellt der Morbus Crohn eine wichtige Differentialdiagnose der granulomatösen Uveitis im vorliegenden Falle dar. Die zentroanale Fistel des Patienten spricht eher für das Vorliegen eines Morbus Crohn. Ob der Dünndarm entzündliche Veränderungen aufweist, wie bei Morbus Crohn zu erwarten, wird derzeit mittels Dünndarmbiopsien untersucht. Der vorliegende Fall zeigt, daß eine histopathologische Untersuchung des intraoperativ gewonnenen Gewebes, bei Patienten mit Uveitis unklarer Ätiologie Hinweise auf die Uveitis-Ursache und die Grunderkrankung geben können.


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