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DOP Originalbeiträge XXVI. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP) 17. und 18. September 1998 in Halle Bilaterale Sklerouveitis U. Schaudig
Augenklinik und Poliklinik Fallbericht: Der 66jährige Patient wird wegen rhegmatogener Ablatio retinae 5 Tage nach Kataraktextraktion und Hinterkammerlinsenimplantation überwiesen. Anamnese:
Rechtes Auge: YAG-Laser-Iridotomie vor 6 Tagen.
R VA: Episklerale Venenstauung, VK reizfrei, Iridotomien bei 11.30 und 11.00 h. Cataracta corticonuclearis. Fundus: Netzhaut am hinteren Pol unauffällig. Netzhautperipherie durch unzureichende Mydriasis und Katarakt nicht detailiert einsehbar. Klinische Diagnosen:
R Cataracta corticonuclearis, Z. n. YAG-Laseriridotomie. Cryopexie, limbusparallele Skleraplombe. Anliegende Netzhaut zum Ende der Operation. Verlauf:
Exitus letalis in der darauffolgenden Nacht. Neuropathologischer Befund: Intradurale granulomatöse nekrotisierende Entzündungen mit Mineralisatablagerungen ohne Erregernachweis. Alter Plicainfarkt links, alter Grenzzoneninfarkt, multifokale vaskuläre Nekrosen, alter Infarkt im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri media rechts. Linker Bulbus: Makroskopischer Befund: Diffuse milchig getrübte HH, erhaltene VK, Aphakie. In der oberen und unteren Netzhauthälfte flache Ablatio retinae mit subretinalem Exsudat, nasal Plombenimpression, darunter liegt die Netzhaut an. Mikroskopischer Befund: (HE, PAS, B&B, Gram, Fite, Elastica Masson-Goldner) Unauffälliges HH-Epithel, intakte Bowman'sche Schicht, unauffälliges HH-Stroma, Descemet Membran und Endothel intakt. Irisstroma und Ziliarkörper wie auf der rechten Seite unauffällig. Cystoide Degeneration der peripheren NH, diffuse Verdichtung des Glaskörpers mit Abhebung der hinteren Glaskörpergrenzmembran. Nur einzelne Granulozyten und Lymphozyten im Glaskörperraum, teils flache, teils hochblasige Ablatio retinae mit subretinalen Exsudat, bis an die Papille. Massive entzündliche Infiltrationen der gesamten Uvea mit Betonung des vorderen Abschnittes bis zum Äquator. Betonung der Entzündung in den tiefen Uveaschichten. Intrasklerale fokale Abszedierung. Episklerale breitflächige Entzündungsinfiltration um den gesamten Bulbus. Rechter Bulbus: Makroskopischer Befund: HH: klar; VA: intakt, artefizielle Aufhebung der VK, gelbbräunliche Trübung der Linse, weißliche Verdickung der NH mit faltiger Abhebung und subretinalem Exsudat, unregelmäßig dicke Sklera. Mikroskopischer Befund: Wie im linken Bulbus findet sich eine diffuse, teils abszedierende Entzündung der Chorioidea und Sklera. Peripher flache Ablatio retinae mit subretinalem Exsudat. Der Befund ist im Vergleich zur Gegenseite wesentlich geringer ausgeprägt. Histopathologische Diagnose:
L/R Teils akute, teils chronische eitrige, fokal nekrotisierende Sklerouveitis. Diskussion: Es fällt die Diskrepanz zwischen dem histologischen Befund und der klinischen Symptomatik auf. Die Sklerouveitis am operierten Auge wurde durch die Linsenluxation, die iatrogene Netzhautverletzung und die resultierenden Ablatio retinae überdeckt und klinisch nicht erkannt. Am rechten Auge fiel eine diffuse episklerale Venenstauung klinisch auf, wurde aber differentialdiagnostisch nicht beachtet. Der Einblick auf den Fundus war durch mangelhafte Mydriasis und Katarakt behindert. Die bilaterale episklerale Gefäßbetonung und zugrundeliegende rheumatoide Arthritis weisen daraufhin, daß es sich im vorliegenden Fall um ein chronisches Geschehen handelt, das mit der Operation nicht im Zusammenhang steht. Hinweise auf eine infektiöse Genese, wie Lues, TBC oder Lepra bestanden nicht. Differentialdiagnostisch ausgeschlossen erscheint ebenso eine Sarkoidose oder Herpes zoster-Infektion. Das klinische Leitsymptom der episkleralen Venenstauung wurde als Reaktion auf die Operation fehlgedeutet. Zusammenfassend handelt es sich um eine unerwartete bilaterale nekrotisierende Slerouveitis, die von einer nekrotisierenden vorderen Skleritis mit Entzündung ausging und sich im Rahmen der Operationskomplikation am linken Auge auf die gesamte Uvea ausgedehnt hat. Geht man davon aus, daß der Befund am rechten Auge dem properativen Befund des linken Auges entspricht l§t sich die durch die Operation zustzlich entstandene Schdigung abschtzen. Die Gefahr der Exazerbation chronischer Skleritiden im Zusammenhang mit intraocularen Eingriffen ist in der Literatur gut bekannt. Auf die Diskrepanz zwischen klinischer und histologischer Diagnose bei Skleritiden haben beispielsweise Frauenfelder und Watson 1976 hingewiesen: bei 40% der enukleierten Augen wurde die histologische gesicherte Skleritis klinisch nicht diagnostiziert. Weiterführende Literatur:
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