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DOP Originalbeiträge XXVII. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP) am 21. und 22. September 1999, Universitäts Krankenhaus Eppendorf Augenveränderungen bei einem adulten Walker-Warburg-Syndrom Jens Martin Rohrbach
Universitäts-Augenklinik
Diskussion: Das autosomal rezessiv vererbte, genetisch noch ungeklärte Walker-Warburg-Syndrom umfaßt Fehlbildungen des Gehirns und der Augen. Die Bezeichnung geht zurück auf die wegweisenden Beschreibungen der Lissencephalie mit Augenveränderungen durch Arthur Earl Walker 1942 (7) und der mentalen Retardierung mit Hydrocephalus und Augenfehlbildungen durch Mette Warburg 1971 (8). Das Walker-Warburg-Syndrom wird in der Literatur gegen andere cerebro-okulare Dysplasien mit muskulärer Dystrophie (COD-MD) abgegrenzt (1-4). Als harte" diagnostische Kriterien für das Walker-Warburg-Syndrom gelten nach Dobyns et al. (3): 1. eine Lissencephalie (Typ II), 2. zerebellare Fehlbildungen, 3. retinale Fehlbildungen sowie 4. eine kongenitale Muskeldystrophie. Oft kommen eine Vergrößerung der Hirnventrikel mit oder ohne Hydrocephalus und Veränderungen des vorderen Augensegments vom Typ einer Petersschen Anomalie hinzu (3). Mikrophthalmus, Kolobome, persistierende Pupillarmembran, kongenitale Katarakt oder Glaukom sind bei ca. 20 bis 50% der Patienten zu beobachten (1,3). Muskuläre Veränderungen bestehen in einer Fibrose des Endo- und Perimysiums, einer verstärkten Variabilität der Muskelkaliber, Nekrosen und entzündlichen Infiltraten (2,5). Die Vakuolisierungen des Irispigmentepithels und die Verdickung der intraokularen Basalmembranen bei unserer Patientin dürften diabetischer Natur sein. Ungewöhnlich und möglicherweise ebenfalls diabetisch bedingt sind die massiven Exsudationen im Bereich des Ziliarkörpers. Optikusatrophie und retinale Veränderungen sind hingegen nicht mit dem Diabetes mellitus in Verbindung zu bringen, da sich morphologisch keine Hinweise auf eine diabetische Retinopathie ergaben und klinisch 1981 ein Sehnervenschwund ohne sonstige Funduspathologie beobachtet wurde. Die retinalen Veränderungen beim Walker-Warburg-Syndrom sind variabel. Die innere Retina weist oft, wie bei unserer Patientin, einen Verlust von Ganglienzellen, eine Verdünnung der Nervenfaserschicht und eventuell gliovaskuläre Proliferationen auf. Photorezeptoren sind vorhanden, können aber veränderte Außensegmente haben. Das RPE ist mitunter unregelmäßig pigmentiert und fokal hypertrophiert (3). In schwereren Fällen finden sich retinale Falten, Rosettenformationen, retrolentale Massenbildungen im Sinne eines PHPV oder auch (sonographisch schon intrauterin feststellbare) Netzhautablösungen (1-3,5-7). Augen- und Hirnveränderungen legen nahe, daß die Entwicklung etwa im 2. bis 3. Fetalmonat (partiell) angehalten" ist, d.h., daß eine weitere neuronale Migration unterbleibt (6,7). Passend zur neuropathologischen Beurteilung sind die Netzhautveränderungen bei unserer Patientin mit einem Walker-Warburg-Syndrom vereinbar. Ob die diagnostisch geforderte Muskeldystrophie klinisch bestand, ist nicht bekannt. Die äußeren Augenmuskeln waren morphologisch unauffällig. Patienten mit Walker-Warburg-Syndrom werden üblicherweise zum Termin geboren und versterben zumeist in den ersten 60 Lebenswochen (3,9). Insofern ist das von unserer Patientin erreichte Alter sehr ungewöhnlich und Ausdruck einer milden Form. Walker-Warburg-Syndrome bei Erwachsenen sind vereinzelt bekannt geworden (Meyermann, persönliche Mitteilung) ohne daß hierfür entsprechende Belege in der Literatur gefunden werden konnten. Wir danken Frau PD Dr.A.Bornemann und Herrn Prof.Dr.R.Meyermann, Institut für Hirnforschung der Universität Tübingen, für die wertvolle Unterstützung. Literatur
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