DOP Originalbeiträge
XXVII. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
am 21. und 22. September 1999, Universitäts Krankenhaus Eppendorf


Malignes Melanom der Plica

Frank Wilhelm

Klinik u. Poliklinik f. Augenheilkunde
Martin-Luther-Universität
Magdeburger Straße 14
06097 Halle

Ophthalmologische Anamnese:

Im Januar 1999 stellte sich der 43-jährige Patient bei uns erstmalig vor. Er hatte seit einigen Wochen nach eigenen Angaben im nasalen Lidwinkel des rechten Auges ein „braunes Knötchen" bemerkt. Ansonsten war die ophthalmologische Anamnese völlig unauffällig.

Allgemeine Anamnese:

unauffällig

Ophthalmologischer Befund: Rechtes Auge: nasaler Lidwinkel, ein ca. 10 x 6 mm großer Tumor von etwa 8 mm Prominenz, derbe Konsistenz, auf der Unterlage gut verschieblich, ausgehend von der Plica semilunaris keine Beziehungen zur Karunkel bzw. zu den Lidern.

Paraklinik:

unauffällig

OP:

11.02.99: Die Entfernung des Tumors gelingt unter dem OP-Mikroskop problemlos, wobei eine biomikroskopisch nicht zum Tumor gehörende freie Gewebezone zirkulär von ca. 2 mm Breite mit entfernt wird. In der Tiefe läßt sich der Tumor nach erfolgter Injektion von Lokalnästhetika gut entfernen, es kommt auch zu keiner stärkeren Blutung. Obwohl die Plica entfernt werden muß, kann bei geringerer Mobilisierung die Bindehaut gut adaptiert werden.

Histologischer Befund:

An den Schnittflächen findet sich ein relativ kompakter knotiger Bezirk, der überwiegend aus epitheloiden/polygonalen Zellen besteht. Diese Zellen weisen z.T. deutlich ausgeprägte Nukleoli aus. Mitosen sind kaum erkennbar. Soweit beurteilbar, ist der Tumor zur Tiefe hin durch Infiltrate entzündlicher Zellen und zur Oberfläche und seitlich durch typisches, becherzellenhaltiges Bindehautepithel begrenzt. Oberflächlich ist das Epithel teilweise atrophisch arrodiert. In den Seitenbereichen weist der Tumor Areale mit zystischen Hohlräumen auf, welche von spindelzellförmigen Zellgruppen umlagert sind. Einzelne und Gruppen von Melanophagen imponieren.

Immunhistochemie:

S 100 - deutliche Expression im Bereich des Tumors,
HBM 45 - im Bereich der Spindelzellen deutlich positiv, im Bereich der ballonierten/ epitheloiden Zellen partiell positiv,
Cd 56 (neuronales Zelladhaesionsmolekül, NCAM) ebenfalls deutlich positiv,
MIB - in ca. 30 % des Zellbildes positiv bei fokal wechselndem Befund

Kommentar:

Sowohl das histologische Bild als auch die immunhistochemischen Untersuchungen bestätigen den klinischen Verdacht eines malignen Melanoms der Karunkel (6). Der Patient wird derzeit in Zusammenarbeit mit den Dermatologen nachbetreut (1). Ein Tumorstaging wurde durchgeführt. Es zeigen sich keinerlei Anzeichen für ein Rezidiv bzw. Metastasierung.

Für die Entstehung maligner Melanome der Bindehaut werden vorbestehende Naevi gerade im Lidspaltenbereich als Ausgangspunkt angenommen (4). Damit stellt die Plica semilunaris eine Prädilektionsstelle dar. Anamnestisch war bei diesem Patienten kein Pigmentfleck im nasalen Lidwinkel bekannt. Melanome der Plica von dieser Größe sind relativ selten und bei der guten Sichtbarkeit dieser Tumoren gerade im jugendlichen Alter des Patienten von der Größenausdehnung her ungewöhnlich. Deshalb kann davon ausgegangen werden, daß der Tumor erst wenige Wochen bestanden hatte. Bei malignen Melanomen der Haut z. B. im Extremitätenbereich wird bei entsprechendem Dickenwachstum neuerdings die selektive Exstirpation der regional drainierenden Lymphknoten empfohlen (3). Dies ist aufgrund der regionalen Lymphabflußwege im Kopfbereich bei Prozessen in der Orbita nur bedingt übertragbar. Die Tumordicke und Lokalisation sind als Risikofaktoren für die Metastasierung zu betrachten (2,5).

Da die Entfernung des Tumors bei anamnestisch kurzem Verlauf im gesunden Gewebe erfolgte, ist bei adäquater Nachbetreuung die Prognose im Falle unseres Patienten durchaus als gut anzusehen.

Literatur
  1. Grin JM, Grant JM, Grin CM,Berke A, Kels BD: Ocular melanomas and melanocytic lesions of the eye. J Am Acad Dermatol 1998, 38:716-730.
  2. Hitzer S, Bialasiewicz AA, Richard G: Immunhistochemische Marker für Zytoplasmaantigene bei erworbener Melanosis, malignen Melanomen und Naevi der Bindehaut. Klin Mbl Augenheilkd 213, 1998: 230-237
  3. Konz B, Trupka A: Sentinel Lymph Node - Exstirpation beim malignen Melanom. Dt Ärztbl 1999, 96:A- 1196-1197
  4. Norn M: Pigmantation of plica and lacrimal caruncle. Prevalence among Caucasians, Escimos and Japanese. Acta Opthalmol (Copenh) 1984, 62: 939-943
  5. Naumann GOH Pathologie des Auges, Springer Berlin-Heidelberg-New York 1997
  6. Steuhl KP, Rohrbach JM: Die Verteilung melanomassoziierter Antigene (HMB 45 und S100) in benignen und malignen Tumoren der Konjunktiva. Klin. Mbl. Augenheilkd 199 (1991) 187-191

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